Treppe, Fensterbänke - Neubauvorhaben einheitlich gestalten

Hallo liebe Betonexperten,

ich habe in den vergangenen Wochen bereits einiges hier im Forum gelesen und bin wirklich beeindruckt von euren Projekten. Gerne möchte ich mich in unserem grade im Bau befindlichen Haus mit zwei kleineren Projekten verwirklichen. Dabei möchte ich die Innenfensterbänke und die halbgewendelte Ortbeton-Innentreppe als Betonbauteile ausführen bzw. mit Betonkosmetik veredeln.

Hier zunächst meine Planungen:

Innenfensterbänke

Form: Lackierte Spanplatte
Bauteilgröße: 176cm x 25cm x 2,4cm
Beton: Moby Dur
Bewehrung: Carbonfasertextil Typ 55 (Würd auch ohne gehen aber fürs Gefühl. ;-))
Kanten: Gerundet über Silikonfuge
Formtrennmittel: Plopp
Nachbehandlung: LFC + H10

Hier glaube ich das Vorgehen verstanden zu haben und erwarte keine größeren Probleme.

Innentreppe

Leider konnte die Treppe nicht maßhaltig hergestellt werden. In den Trittstufen (wagerecht) müssen ca 2cm ausgeglichen werden, die Setzstufen (senkrecht) sind auf +/- 2mm genau.

Dabei würde ich wie folgt vorgehen: [LIST=1]

  • Treppe Abschleifen/ von Verunreinigung befreien. Grobe Grate und Überstände abstoßen.
  • Große Fehlstellen Spachteln (Produkt?)
  • Schalung der Trittstufen auf Maß (ca. 2cm über aktueller Kontur), scharfkantig zu den Setzstufen.
  • Trittstufen mit PLAN B Industrieboden ausgleichen.
  • Ausschalen
  • Setzstufen mit Marfino grau spachteln.
  • Nachbehandlung mit LFC + H10 [/LIST] [B]Insgesamt stellen sich mir folgende Fragen:[/B]
    • Ist es möglich den Grauton der Treppe (PLAN B & Marfino) mit dem Grauton der Fensterbänke planerisch abzustimmen?
    • Ist eine Grundierung auf der Ortbetontreppe für eine bessere Anbindung von PLAN B und Marfino notwendig bzw. für die Erhöhung der Ausführungsqualität sinnvoll?
    • Gibt es Produkte, die die Widerstandsfähigkeit der Treppe (Abrieb/ Abplatzungen) weiter erhöhen?
    • Zu welchem Zeitpunkt ist der Ausgleich der Trittstufen sinnvoll? [LIST]
    • Vor dem Verputzen -> Ausgleichsmasse wird über die gesamte Stufenbreite gegossen und hat direkten Anschluss ans Mauerwerk, jedoch wird die Treppe im weiteren Verlauf noch stark durch Baustellenlogistik beansprucht.
    • Nach dem Verputzen -> Ausgleichsmasse läuft vor den Putz
    [/LIST] Über eure fachkundige Meinung und ehrliches Feedback zu meinen zwei Projekten freue ich mich sehr!

    Viele Grüße
    David

  • Hallo David,

    Dein Vorhaben klingt schon sehr gut durchdacht. Für die Abstimmung der Grautöne von Plan B Industrieboden und MARFINO® CONCRETE SURFACE Microzement würde ich vorschlagen, dass Du die Farbe von PLAN B als den Grundfarbton nimmst und durch Mischung von MARFINO in Grau und Weiß versuchst, so nahe wie möglich da heranzukommen. Da ist etwas Herumprobieren notwendig, aber es sollte schon ganz gut passend hinzukriegen sein. Als Vorbehandlung der Treppe würde ich SQ-TIEFGRUND lösemittelfrei auftragen. Das verhindert das unerwünschte Aufsteigen von Luftbläschen aus dem Untergrund, die hässliche Pickel in der Oberfläche verursachen können. Und für MARFINO ist es auch gut, weil die Saugfähigkeit der Oberfläche damit abnimmt. Die Oberfläche im Nachgang mit LFC Betonverkieselung zu behandeln, erhöht die Robustheit, also liegst Du auch da richtig. Ob Du erst die Wände verputzt oder erst die Treppe beschichtest, das ist Geschmacksache. Beides hat Vor-und Nachteile. Ich würde den Verputz zuerst machen.

    Sven

    Hey Sven,

    vielen Dank für deine Antwort. :slight_smile:

    Die Treppe wurde heute ausgeschalt und leider musste ich feststellen, dass auch die Setzstufen (senkrecht) nicht alle eben hergestellt werden konnten. Auch hier scheint zum Teil eine Ausgleichsspachtelung von 4-5mm notwendig zu sein.

    Die Behandlung mit Marfino um zum schlussendlichen Sichtbeton-Look zu kommen wird gleich bleiben, oder? Welches Produkt kann ich verwenden um den Dickenauftrag zu erreichen?

    Viele Grüße
    David

    Hallo Betonarbeiter.

    Zum Ausgleichen deiner Treppenstufen könntest du zum Beispiel Nanocret R3 von Pci verwenden. Die Verarbeitung ist wie beim Mörtel. Wenn der Mörtel ein wenig angezogen hat, dann kannst du ihn mit einer Wasserwaage geradekratzen, Lunker zu und ein wenig filzen. Dieser Mörtel ist auch faserverstärkt. Vor dem Auftragen mache ich von dem Nanocret eine Schlämme für besseren Verbund. Also erst anfeuchten dann Schlämme, anschließend sofort den Mörtel drauf.
    Laut Hersteller reicht aber matt feucht.

    Ganz wichtig :keine Grundierung oder Trennmittel auf der Oberfläche.

    https://www.pci-augsburg.eu/de/produkte/pci-nanocret-r3

    Grüße David

    Hey David,

    vielen Dank für deine Antwort.

    Würdest du dann für die weitere Betonkosmetik auch im System von PCI bleiben?

    Viele Grüße
    David

    Naja, im System bleiben ist so eine Sache, weil die Baustoffe alle keine schöne Betonoptik Oberfläche haben. Desweiteren ist ein Boden oder Treppe schwieriger zu gestalten, weil eben nicht so viele Händler die Ware dafür zulassen. Man findet mehr schöne Betonspachtelmassen für Wand oder Decke, nur nicht für den Boden. Mir fällt vom PCI System auch keine nennenswerte Masse ein, die man als Oberfläche belassen kann. Sonst wäre ich auch nicht hier bei Sven im Forum gelandet. :smiley:

    Es gibt 2 Möglichkeiten um deiner Treppe ein einheitliches Aussehen zu verschaffen.
    Ausgangsmaterial wäre Mikrozement, also Marfino aus dem Mörtelshop.

    1. Du könntest PCI anrufen und um weiteren Aufbau mit Mikrozement fragen.
    2. Eine Beschichtung mit Fliesenkleber funktioniert auf jeden Fall, nach der Grundierung mit Gisogrund meinetwegen, wenn du im System bleiben möchtest. Obwohl der Tiefengrund aus dem Mörtelshop fast dasselbe wäre nur verdünnt. Aber auch in grüner Farbe.
      Wenn du mit weißen Natursteinkleber , also den Klemo einmal vorspachtelst, dann hättest du schon einmal eine einheitliche weiße solide Grundlage für den Auftrag von Marfino.
      Also Marfino auf Klemo hält nach Grundierung auf jeden Fall.

    Sven kann ja auch gerne sein Ok geben .

    Kleiner Tip: Wenn du deine Treppe mit Nanocret ausgleichst, dann mache das Maßgerecht. Die Treppe sollte nach dem Auftrag mit Nanocret also schon fertig sein, damit du nur noch spachteln musst ohne darüber nachzudenken ob irgendwas nicht passen könnte.

    Lass dir Zeit und die Fotos nicht vergessen.

    David

    Hallo David und David,

    es ist immer gut, im System zu bleiben, weil dann ein Hersteller dafür geradestehet, dass es funktioniert. Wenn man zwei Systeme mischt, kann sich jeder bequem herausreden. Manchmal geht es natürlich auch nicht anders, und dann muss man das halt auf eigenes Risiko machen.

    Sven

    Hallo ihr beiden,

    vielen Dank für eure Tipps. Am Wochenende habe ich ein Vorher-Bild der Treppe gemacht. Hier sind die Auswaschungen und unsauberen Flächen gut zu erkennen. Nach erfolgreicher Projektumsetzung kommt dann auf jeden Fall ein ausführlicher Projektbericht! :slight_smile:

    @David: Vielen Dank für den Hinweis. Den Nanokret R3 als Ausgleichsmörtel hatte ich auch bereits ins Auge gefasst. Wie ist deine Erfahrung mit dem Mörtel bezüglich der senkrechten Flächen? Hast du Erfahrungen inwiefern der Mörtel bei knapp an der Untergrenze der Minimnalstärke (3mm) angesetzten 4mm Auftragsstärke funktioniert?

    @Sven: Was ist deine Empfehlung bezüglich des weiteren Vorgehens? Kann ich an den Nanokret R3 nach Grundierung mit deinem PLAN B und Marfino anschließen oder hast du ein ähnliches Produkt im Shop wie den Nanokret R3?

    Abschließend noch eine Frage: Habt ihr eine Empfehlung zur Entfernung der aktuellen Rückstände (Putz, Beton-Schlempe, Grate)? Mein Vorgehen wäre es die Treppe Vollflächig mit einem Betonschleifer vorzubehandeln.

    Viele Grüße
    David

    Hallo David.

    Der Nanocret hat eine Mindestdicke von 3mm die du einhalten musst, sonst gibt es Risse oder er blättert ab.
    Du kannst ja mit den senkrechten Flächen von oben her anfangen, dazu legst du ein Brett auf die Autrittstufe und keilst es zur Wand hin ein. Man kann das Brett auch zusätzlich mit Steine beschweren, oder nach hinten einspannen, hauptsache es bewegt sich nicht mehr. Mit dem Zollstock richtest du es aus.

    Überreste kannst du mit dem Betonschleifer entfernen. Ich würde auch die sehr glatten Flächen mit dem Betonschleifer aufrauen, damit der Nanocret mehr Griff bekommt.

    Das Plane abziehen oder kratzen kannst du mit der Wasserwaage und in der senkrechten mit der Glättekätte im 90grad Winkel durchführen.

    Den Nanocret nicht zu dünn anrühren. Am besten du hältst dich an die Anleitung und probierst erstmal wie du klar kommst. Der Mörtel zieht auch etwas schneller an, also immer nur soviel anrühren, wie du auch verarbeiten kannst. Das wirst du aber rauskriegen. Angesteiftes Material darf nicht wieder aufgerühert werden, und wäre für die Tonne.

    Beim Auftragen merkst du auch wie gut er haftet, sollte er nicht richtig kleben, so kannst du mit der Schlemme nachhelfen. Beim anfeuchten sollte kein Stauwasser vorhanden sein, also matt feucht nicht nass.

    Viel Spass und berichte mal zwischendurch wie es so wird.

    Grüße David

    Hallo David,

    leider kenne ich das Produkt von PCI nicht und kann deshalb nicht sagen, ob wir etwas Ähnliches haben. PLAN B und MARFINO funktionieren eigentlich auf jedem tragfähigen Betonuntergrund.

    Sven

    Vielen Dank für eure Antworten. :slight_smile:

    @Sven: Kannst du ein Produkt aus deinem Sortiment empfehlen, das einen Ausgleich in der senkrechten Fläche (Setzstufe) möglich macht?

    Ansonsten fühle ich mich schon recht sicher was die Planung angeht. Wahrscheinlich werde ich es Mitte April an einer ersten Stufe mal versuchen.

    Hallo David,

    dafür würde ich den GECCO Reparaturmörtel nehmen. Leider ist der aber, obwohl er wirklich gut ist, bei uns so wenig gefragt, dass es ihn wohl bald nicht mehr im Sortiment geben wird.

    Sven

    Hallo zusammen,

    ich wollte einen kurzen Zwischenstand zu meinem Projekt geben um es auch nachverfolgbar zu machen. Außerdem habe ich auch einige Fragen zum weiteren Vorgehen:

    Treppe
    Die Treppe habe ich nun mit einem Stockermeißel vorbearbeitet um die Schlempe und alle losen Rückstände abzutragen. Anschließend wurde die Treppe mit einer Drahtbürste abgebürstet und abgesaugt. Auf Empfehlung eines PCI Fachberaters bin ich auf den PCI R4 PCC für die Ausgleich umgestiegen. Das hat bisher auch ganz gut geklappt. Das Material haftet bereits nach einem Tag bombenfest am Untergrund und liefert zufriedenstellend Ergebnisse.

    Fensterbänke
    Die Fensterbänke haben wir am vergangenen Dienstag gegossen. Die Oberflächen sind ziemlich gut geworden und nur in einigen Ecken hatten sich Luftblasen festgesetzt. An einer Stelle hatte ich leider noch Maße auf der Schalungsform eingetragen, die sich nun im Beton abzeichnen. :-/ Zur Nachbehandlung würde ich die Fensterbänke gerne seidenmatt polieren. Hierzu habe ich einige Fragen:

    • Gibt es eine Möglichkeit die Fehlstellen noch zu spachteln um ein besseres Ergebnis zu erzielen?
    • Gibt es eurerseits eine Empfehlung für einen Winkelpolierer oder könnte man ggf. auch einen Exzenterschleifer nehmen?
    • Wann kann ich die Fensterbänke frühestens polieren?
    • Nass- vs. Trockenpolitur?
    • Erst mit LFC verkieseln und anschließend polieren oder andersrum?
    • Schleifen mit Diamantschleifpads oder lieber nur mit Rast?
    Viele Grüße David

    Fensterbänke.jpg

    Hallo David,

    aus welchem Beton hast Du denn die Fensterbänke gemacht?

    Sven

    Hey Sven,

    Am Ende ist es der Turbo 20 geworden. Schalungsmaterial waren beschichtete Spanplatte an den Kanten mit Silikon abgedichtet.

    viele Grüße
    david

    Hallo David

    Welchen R4 denn? Reparaturmörtel oder Instandsetzungsmörtel? Und warum nicht den R3? Den einzigen Unterschied den ich zwischen R4 und R3 sehe ist die Resistenz gegenüber chemischer Angriffe beim R4 . Habe den noch nicht ausprobiert, kann ja sein das dieser auch besser zu verarbeiten ist. Beim R3 könntest du auf 3mm runter beim R4 wären es minimal 5mm.
    Ist ja auch wurscht, aber schön wenn man nochmal eine zweite Meinung vom Verkäufer einholt.:wink:
    Bei soviel Sanierungsmörtel fällt es schon mal schwer den Überblick zu behalten.

    Servus David,

    das Produkt war der PCI Nanocret R4 PCC. Habe bei der Baufachberatung von PCI angerufen und das war deren Empfehlung für die von mir beschriebene Anwendung. Ich könnte mir Vorstellen, dass es mit Kanonen auf Spatzen schießen ist aber das Material fühlt sich sehr fertig an und ist auch an keiner Stelle hohl.

    Insgesamt war es mir wichtig eine solide Basis für die späteren Beläge zu schaffen. Leider ist der R4 beim Anmischen nach Vorgabe sehr zäh und lässt sich, zumindest von mir, nicht gut mit der Wasserwaage abziehen. Deshalb sind die Stufen noch nicht perfekt maßhaltig geworden und haben noch Toleranzen in der Ebenheit von 2-3 mm.

    Hallo David,

    Deine Fensterbänke erscheinen mir ungewöhnlich scheckig zu sein. An den Kanten könnte es daran liegen, dass Du vielleicht säurehaltiges Silikon verwendet hast. Auf den Flächen könnte es an falschem oder zu viel Trennmittel liegen. Wenn Du TURBO 20 nimmst, dann sollten die Teile eigentlich wie geleckt aussehen. Irgendetwas ist hier also schief gegangen, und was nun zu tun ist, um die Oberfläche zu retten, kann ich aus der Ferne auch nicht genau sagen. Du müsstest Dich einfach mal rantasten. Für den Anfang würde ich es mit einem Diamantschwamm für Nassschliff probieren.

    Sven

    Moin Sven,

    als Trennmittel habe ich Plopp verwendet. Es wurde im Kreuzgang aufgetragen und dann bis es nichtmehr sichtbar war weggewischt. Die Oberfläche ist auch super glatt und auch die Kanten sind bis auf 2-3 Poren aus unserer Sicht in Ordnung.

    Hast du eine Empfehlung für eine Nasspoliermaschine bzw. Diamantschwämme? Welche Polierpads empfiehlst du für die Anwendung von Raso?

    Außerdem ist die Reihenfolge erst Polieren dann LFC richtig um die Ausbuchungen nicht unnötig zu konservieren, oder?

    Viele Grüße
    David

    Hallo David,

    im Nachhinein wird sich die Ursache für die scheckigen Oberflächen wohl nicht mehr klären lassen, aber ich tippe auf zu viel PLOPP und/oder eine zu kurze Wartezeit zwischen der Behandlung mit PLOPP und de Betonguss. Falls Du noch mehr Güsse planst, solltest Du versuchen, das doch noch genauer zu klären, denn so darf es eigentlich nicht aussehen.

    Ich habe zum Polieren eine kleine Winkelpoliermaschine von FLEX, die ich empfehlen kann. Für RASO bräuchtest Du eine Filzscheibe. Möglicherweise ist damit aber die Abtragstiefe noch nicht groß genug, um Deine Schlieren zu entfernen. Versuch es vielleicht erstmal mit einem 300er Diamantschwamm für Nassschliff.

    LFC würde ich, wie Du schon sagst, erst am Ende auftragen.

    Sven