Schaumbeton

Guten Tag,
da dies mein 1. Beitrag ist, stelle ich mich kurz vor:
Michael, Bj.86, selbstständiger Anlagenautomatisierer und gelernter Chemielaborant aus Oberschwaben.
Ich befasse mich seit einer Weile mit dem Thema Schaumbeton.
Ich würde gerne wenn ich ein Haus baue, alle dafür geeigneten Isolationsaufgaben damit durchführen.
Im Moment habe ich die Möglichkeit die Eignung des Schaumbetons anhand eines Badumbaus zu “testen”.
Hierfür habe ich vor in meinem Bad, die Installationsebene mithilfe einer “vorgebauten Schalung”, mit Schaumbeton zu verfüllen.
Ich hatte folgende Fragen an Herr Backstein gestellt und habe diese samt Antworten hier ins Forum gestellt, damit auch andere davon profitieren (wie von Hr. Backstein vorgeschlagen).

Fragen/Antworten

  1. Da es ein Badezimmer ist, wäre Kalkzement als Ausgangsmaterial für den Schaumbeton evtl. sinnvoll, ist das möglich, haben sie damit Erfahrung?
    1) Die Wahl des Zements spielt durchaus eine Rolle und zu viele Experimente damit können den Schaum zum Zerfallen bringen. Mit einem Portlandzement oder einer Mischung aus Portlandzement und Kalksteinmehl sollten Sie aber immer richtig liegen.

  2. Eignet sich Schaumbeton als Grundlage für Feinputz, bzw. Grundputz oder keines von beidem?
    2) Da der ausgehärtete Schaumbeton nicht ohne Schwindrisse ist und außerdem weicher als ein Verputz, funktioniert das nur unter Verwendung von Putzgewebe.

  3. Die Firma Gertec bietet Schuambetonmaschinen an, mit welchen diese eine Schaumbetondichte von anscheinend 80kg/m³ errreichen, welches ja
    eigentlich dem reinen Schaumgewicht entspricht, was halten sie davon?(Anscheinend verwenden diese ein spezielles Verfahren um den Moertel mit
    dem Schaum zu mischen). Ich gehe mal davon aus, damit hier das verwendete Schaummittel eine entscheidende Rolle spielt.
    3) Wie Gertec auf einen so leichten Schaum kommt, würde mich sehr interessieren. Nach meinem Kenntnisstand sind mit Portlandzement Rohdichten um die 400 kg/m² realistisch machbar.

  4. Für die Verfüllung der Schalung muss ich (zumindest im oberen Drittel der Schallung) den Schaumbeton pumpen können. Dies hätte ich nach dem Ansetzen evtl. mit einer Impellerpumpe mit Gummiflügeln (evtl. eine welche man mit einer Bohrmaschine antreiben kann) gemacht. Ich habe aber ein wenig Bedenken, damit der Unterdruck vor der Pumpe (im Ansaugschlauch) und der Überdruck nach der Pumpe (im Auslassschlauch), die Qualität des flüssigen Schaumesbeton, negativ beeinflusst. Was denken sie dazu?
    4) Das Pumpen des Schaums ist problemlos möglich, ohne dass er dabei zerfällt. Allerdings ist eine geeignete Pumpe nicht leicht zu finden.

  5. Denken sie es wäre Möglich, den Schaumebeton mithilfe von in den flüssigen Schaumbeton, eingemischtem Wasserglas, wasserdicht zu machen?
    5) Das Untermischen von Wasserglas ist keine gute Idee, denn es wird den Schaum voraussichtlich zum Zerfallen oder Verklumpen bringen.

  6. Welche Rolle, bzw. wie wichtig ist Verflüssiger im Mörtel?
    6) Ein Verflüssiger kann sehr hilfreich sein, wenn es um das Pumpen des Schaumbetons geht. Allerdings gibt es nur wenige Verflüssiger, die nicht auch gleichzeitig den Schaum zum Zerfallen bringen.

Habe nun den Spumator Schaumerzeuger von Hr Backstein gekauft und werde berichten, wie die Sache mit der gefüllten Vorbauwand weiter geht.

VG
Michael

Hallo Michael,

danke, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, den Fall noch einmal hier wiederzugeben. Das ist sicher auch für andere interessant, und für mich natürlich auch, weil ja nur so auch neue Aspekte hinzukommen können, auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Mal sehen, was die anderen so dazu sagen.

Ich habe selbst auch ein Projekt, bei dem ich in näherer Zukunft eine Wand verfüllen und somit wärmedämmen will. Wenn es so weit ist, stelle ich mal ein paar Fotos hier ein .

Sven

Guten Tag Zusammen,
ein paar herbe Rückschläge später kann ich euch nun ein paar meiner gemachten Erfahrungen mitteilen.
Zuersteinmal habe ich ein paar Vorversuche (mit versch. Dichten und u.a mit faserverstärktem Estrichbeton) in Eimern gemacht: Siehe Bilder (Details siehe Text wenn ihr mit der Maus übers Bild fahrt).

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Bis hierhin lief alles prima, dann gings ans Einfüllen in die Schalung, hier begannen die Pannen:

  1. Mischreihenfolge: Klumpen.
    Lösung: Zuerst Wasser, Schaum, Zement (warten) und dann Sand, ansonsten gibts Klumpen.
  2. Schalöl: Wer hätte es gedacht –> Tötet Schaumbeton.
    Lösung: Schalung mit Plastikfolie auskleiden.
  3. Wasserverlust: Meine bestehende Wand war teils aus Ziegel und teils aus haufwerksporigen Blähtonformsteinen (oder wie immer die auch korrekt heißen mögen). Die Wände habe ich 2x mit 28%igem Waasserglas grundiert, dies reichte jedoch leider keineswegs aus. Ca. 10min nach dem Einfüllen des Schaumbetons in die Schalung, sah man wie der Schaumbeton an der Wandseite zusammenfiel, da die Wand das Wasser aus dem Schaumbeton heraus zog und den Schaumbeton dadurch destabilisierte bzw. nicht mehr an der Wand haftete.
    Lösung: Wände nochmals 2x mit Wasserglas grundiert und vor dem Einfüllen, alle Schaumbetonberührenden Fläche ordentlich genäßt.

Weitere Versuche:
Da der Schaumbeton immernoch etwas zusammenfällt, werde ich mal versuchen den Schaum mit Polyviniylalkohol und etwas CaCl (Beschleuniger) herzustellen (habe das bei nem Video von irgend nem Ami gesehen).
Hat jemand von euch bereits Erfahrung damit?

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Hallo Michael,

ich selber kenne mich mit Schaumbeton nicht aus, finde es aber interessant wie du dich Stück für Stück deinem Ziel näherst.
Was die Zutaten angeht so denke ich, kennst du dich als gelernter Chemielaborant bestimmt besser mit aus.

Was die Grundierung angeht so arbeite ich schon seit Jahren mit Gisogrund. Diese muss verdünnt werden, je nach Untergrund. Bei stark saugenden Untergründen reicht es einfach nicht aus, nur vorzunässen. Wenn du die Grundierung nur wenig verdünnst, bildet sich ein glänzender Film auf der Oberfläche, damit ist diese schon sehr wasserdicht. Ein glänzender Film bedeutet aber auch weniger Haftung zum Mörtel. Beim Verfüllen einer Vorwand wäre das ja egal. Wenn es haften soll, dann verdünnst du so wie vom Hersteller angegeben.

Viele Grüße

Und berichte mal wieder.

Hallo Michael,

klingt interessant. Besonders die Zugaben von CaCl und PVA habe ich selbst noch nicht probiert. Lass mal weiter hören, was daraus geworden ist.

Sven

Versuchsergebniss mit Polyvinylalkohol PVOH / PVA: Ernüchternd :frowning:

Zu Beginn sieht der Schaum gut aus und lässt sich mit einer Dichte von 70-110g/L herstellen. Aus einer 10%igen PVA Stammlösung (höhere Konzentrationen sind aufgrund der “Sättigung” nicht möglich) habe ich Versuche mit Konzentrationen von 0,1-2% PVA:Wasser gemacht (höhere Konzentrationen wäre als Schaummittel, wirtschaftlich kaum sinnvoll).

Nach ca. 15-45min ist der Schaum jedoch komplett zerfallen (je Konzentrierter, desto “länger” hält der Schaum).
Auch die Zugabe von CaCl und Zitronensäure (wie beim Ami-Video gemacht) ergaben wie zu erwarten war, keine Verbesserung der Schaumstabilität. Eigentlich verstehe ich Grundsätzlich nicht warum der CaCl mit Zitronensäure mischt, da dadurch das Calcium als schwerlösliches Calciumcitrat ausgefällt wird und dadruch die Ca-Ionen nicht mehr zur Beschleunigung des Betons beitragen können, oder habe ich hier ein Denkfehler (dienen evtl. nur die Cl-Ionen zur Beschleunigung, den dann könnte man auch Kochsalz (Nacl) rein kippen)?
Bezüglich Korrosionvorteile hätte man auch nichts gewonnen, da vermutlich eher die Cl-Ionen hierfür verantwortlich sind, welche ja dann immernoch in der Mischung vorhanden wären.

Ich habe den PVA-Schaum noch nicht mit Beton gemischt, evtl. könnte eine genügend schnelle Verfestigung durch die Zugabe von CaCl eintretten. Dies teste ich evtl. noch.

Auch die Zugabe von 2% des Pantapor Schaummittels ergabe keine Verbesserung der Stabilität. Der Schaum mit nur Pantapor, hielt sich länger und ist in den verwendbaren Konzentrationen auch etwas günstiger als PVA-Schaum.

Habe noch Versuche mit natürlichem Eiweiß und Natron (dient zur Denaturierung und dadurch Verfestigung des Schaums) gemacht. So erhält man aus dem Eiweiß von 1x Ei (ca. 30g) ca. 1L, stabilen Schaum. 1m³ Schaum würde damit ca. 270€ kosten. Dies halte ich jedoch finanziell, ethisch und bauphysikalisch (könnte evtl. mit der Zeit anfangen zu gammeln) für fragwürdig.

Irgendwie muss es gehen, schließlich gibt es bereits Hersteller (Gertec) welche anscheinend Schaumbetone mit ca. 100kg/m³ herstellen können. Evtl. frag ich da einfach mal nach, auch wenn ich glaube damit die das nicht verraten werden.
Falls jemand ne Idee hat, gerne her damit.

@gestalter-dave:
Danke für den Tipp. Eine ordentliche Grundierung und damit die Verhinderung der Wasserverluste durch saugende Wände, ist vermutlich entscheiden den Schaumbeton möglichst lange stabil zu halten.

Hallo Michael,

es liest sich sehr interessant, aber irgendwie verstehe ich den ganzen Hokuspokus trotzdem nicht. Warum nimmst Du als Schaummittel nicht einfach Pantapor, und gut. Es ist richtig, dass sich der Schaum mit vielen Substanzen nicht verträgt und gern zusammenfällt. Aber außer einer Soße aus Zement und Wasser braucht man ja auch nichts dazuzumischen. Eigentlich doch ganz einfach. Oder geht es Dir wirklich nur darum, die Rohdichte des Betons noch geringer zu bekommen? Da hört es, zumindest mit meinen Mitteln, tatsächlich bei momentan 400 g/l auf, aber ich könnte mir vorstellen, dass das für die meisten Anwendungen auch völlig ausreichend ist. Wir freuen uns natürlich alle, wenn Du es schafft, diesen Wert zu unterbieten.

Sven

Hallo,
@Sven
Ich habe vor, wenn ich ein Haus baue, wenn möglich alle Isolationsaufgaben mit Schaumbeton zu erledigen. Daher benötige ich ein Schaummittel welches:

  1. In großen Mengen verfügbar,
  2. Günstig und
  3. einen möglichst leichten/stabilen Schaum ergibt.

Update
PVA+Schaumbeton –> PVA wirkt als verflüssiger (der Schaumbeton lief mir selbst bei der halben Wassermenge überall aus den kleinsten Ritzen heraus).
CaCl+Schaumbeton –> Keine nennenswerte Verbesserungen bezüglich der Schaumstabilität/Frühverfestigung (Schaum fällt immernoch teils um ca. 30-50% zusammen, vermutlich ist hier wie bereits erwähnt, entscheidend damit dem Schaumbeton kein Wasser von den angrenzenden Wänden entzogen wird).

Die Ergebnisse sind erst vorläufig und daher noch nicht ganz zuverlässig. Habe das Gefühl damit der verflüssigte PVA-Schaumbeton weniger zusammengefallen ist, dies könnte aber auch mit der verminderten Saugfähigkeit der angrenzenden Wand zu tun haben, oder evtl. härtete der Schaumbeton aufgrund des verringerten W:Z Wertes schneller aus, hier muss ich nochmals ein Auge drauf werfen.

Würde mich freuen wenn der ein oder andere welcher das hier liest (und sich evtl. in Fäustchen lacht) seine Erfahrung weitergibt, Wissen ist das einzige was sich vermehrt wenn man es teilt. You get what you give.

Eine Alternative wäre evtl. Holzbeton, der Isoliert aber nicht so gut und habe gelesen, man muss das Holz speziell vorbehandeln (Zuckermoleküle des Holzes unschädlich machen).

VG
Michael

Hallo Michael,

Zucker ist ein starker Verzögerer für Beton, weshalb man bei Holzbeton mit einem Beschleuniger gegensteuert, damit der Abbindevorgang nicht ewig dauert. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass fast alles, was man zusätzlich in den Schaumbeton mischt, den Schaum zum Zerfallen bringt. Dass das bei PVA nicht der Fall ist, klingt interessant, und wenn die Wirkung eine Verflüssigung ist, dann kann das ja durchaus in manchen Fällen gewünscht sein. Ich werde das auch mal probieren.

Es gibt in den USA Firmen, die mit Schaumbeton Häuser dämmen. Die verwenden meines Wissens nicht Portlandzement sondern Sorelzement als Bindemittel. Vielleicht probierst Du das mal. Hier ist ein Link.

Sven

Hallo Sven
danke für die Infos. Leider sagt er im Video bei 4:23, damit da noch eine geheime Zutat drin ist.

Es könnte sein damit in dem von mir besagten Ami-Video auch Sorelzement in Verbindung mit PVA verwendet wird, zumindest ist der Schaum ganz weiß und fest, evtl ist das dann schon der fertige sorelbasierte Schaumbeton gewesen. https://invidious.tube/watch?v=Ts1qOfWhgUY

Das Problem mit dem PVA Schaum, war damit dieser ohne Zement, bereits nach ca. 30-45min komplett zerfallen war (unabhängig ob mit oder ohne Pantapor). Es könnte aber sein, damit dieser im Zusammenspiel mit Zement stabilisiert wurde. Da der PVA-Schaumbeton bereits beim Anmischen dünn war und nicht erst mit zunehmender Zeit (zunehmender Zersetzung des PVA-Schaums) dünn wurde (konnte nur ca. die Hälfte an Wasser verwenden, um eine ähnliche Viskosität zu erhalten, wie mit Pantapor-Schaumbeton).

VG Michael

Hallo Michael,

es gibt ein paar interessante Neuigkeiten zum Thema Schaumbeton. Ich werden dazu hier mal einen neuen Beitrag aufmachen. Vielleicht hilft Dir das weiter, sofern Du mit Deinem Projekt nicht schon durch sein solltest.

Sven

Hallo zusammen,
ich hänge mich hier mal mit meinen Fragen mit dran. Ich hoffe das passt.

Meine Anwendung wären zum einen verschiedene Wassertröge aus (armiertem?) Schaumbeton, der mit Dichtschlämme ausgekleidet wird. Dabei geht es zunächst um einige hundert Liter Inhalt, bis hin zu mehreren Kubikmetern, falls sich das System bewährt. Zum anderen würde ich gerne ein niedriges Hochwasserschutzmäuerchen nach dem selben Prinzip errichten und eventuell ein Streifenfundament für ein leichtes Gewächshaus. Die Idee wäre, durch den Schaumbeton einerseits Material zu sparen und andererseits zugleich eine gewisse Isolierwirkung zu integrieren. Fragt sich nur, ob das Material die Lasten erfolgreich abtragen kann. Falls jemand dazu eine qualifizierte Vermutung abgeben könnte wäre mir schon geholfen. Dass jemand schon praktische Erfahrung hat und bereit wäre, die hier zu teilen, wage ich kaum zu hoffen.

  1. Welche Festigkeit (Druck- und Biege-) hat so ein Schaumbeton wohl in etwa? Dass das von der Rezeptur abhängt ist mir natürlich klar, aber mich würde mal eine Hausnummer interessieren. Irgendwo auf diesen Seiten wurde Schaumbeton als ähnlich mit Porenbetonsteinen beschrieben und ich frage mich, ob diese Analogie über den Augenschein hinausgeht.

  2. Ist es möglich (und sinnvoll) Schaumbeton zu armieren? Einerseits niedrigdosiert mit Fasern (und dann mit welchen wohl am besten?) und andererseits mit Stahl (Estrichgitter/Moniereisen). Am liebsten beides; vor allem an den Ecken und Kanten :slight_smile:

  3. Sind die Poren verbunden oder nicht? Ließe sich das eventuell durch die Rezeptur steuern? Hier geht es mir um die grundsätzliche Wasserdurchlässigkeit. Porenbetonsteine sind ja relativ durchlässig. Die Frage ist, wie sieht das hier beim Rohmaterial aus. Mit Dichtschlämme verputzen sollte bezüglich der Durchlässigkeit ja auf jeden Fall ausreichen (oder?), aber vielleicht wäre ja auch Wasserglas schon eine ausreichende Versiegelung.

Freue mich auf eure Tipps und Tricks.

Tolles Forum übrigens und vielen Dank Euch allen für Eure Beiträge! Ich lese schon länger mit und vielleicht kommen ja jetzt auch bald ein paar konstruktive Beiträge von mir…

Grüße vom Andi

Hallo Andi,

das sind sehr schöne Fragen. Vielleicht hast Du ja Lust und Zeit, am 14. Mai zu meinem Infotag Schaumbeton nach Bad Camberg zu kommen. Außer mir werden dort auch noch andere Leute sein, die schon einige Erfahrung mit Schaumbeton haben und darüber berichten können. Es gibt natürlich auch Schaumbeton zum Anfassen und eine Präsentation meiner neuesten Schaumbetonmaschine in Aktion.

Ich glaube nicht, dass man bei Schaumbeton viel Freude an einer klassischen Stahlbewehrung hätte, weil er deutlich stärker schwindet als normaler Beton. Und das würde die Bewehrung natürlich nicht mitmachen. Aber Kurzfasern sind eine gute Option, um Schaumbeton zu verstärken. Die Druckfestigkeiten, die z.B. der Hersteller in der Mischtabelle zu Pantapor angibt, liegen oberhalb von 1 N/mm². Ich würde aufgrund eigener Erfahrungen sagen, dass das eher konservativ formuliert ist und man auch Festigkeiten um die 5 N/mm² gut hinbekommen kann. Auf jeden Fall ist die Festigkeit vergleichbar mit der von Ytong, vorausgesetzt, man strebt nicht gerade eine superleichte Rezeptur an.

Wasserdicht kannst Du den Schaumbeton durch Zugabe von PREN Dichtmittel machen. Sieh Dir dazu mal diesen Beitrag an. Allerdings musst Du bei großen Objekten mit der Bildung von Rissen rechnen, und die lassen sich so natürlich nicht abdichten. Da ist die abschließende Beschichtung mit DSB Dichtschlämme dann schon notwendig. Mit LFC Betonverkieselung wirst Du hier wahrscheinlich nicht so glücklich werden, weil der Schaumbeton so porös ist und deshalb davon so viel vertilgen dürfte, dass es recht teuer wird. Ich habe es aber noch nicht im Detail ausprobiert. Die Poren sind übrigens in der Regel nicht miteinander verbunden. Wenn Du Dich in das Thema tiefer einlesen möchtest, dann empfehle ich Dir die Dissertation von Jens Uwe Pott.

Sven

Vielen Dank für die schnelle und vor allem hilfreiche Antwort! Das klingt schon mal vielversprechend und eine schöne Abendlektüre für die nächsten Tage ist auch dabei :).
Die Betonschaumparty habe ich schon zur Kenntnis genommen und würde eigentlich sehr gerne kommen. Es ist zwar recht weit für mich, aber vermutlich auch lohnenswert.

Hallo Sven, 5€ Versand für Infotag, kann das sein, oder wie bestellen?
Gruß Martin

Hallo Martin,

nein, Du kannst als Versandart auch Selbstabholung eingeben, dann ist die Versandart kostenlos.

Sven

Hallo zusammen,

es ist zwar schon eine Weile her, dass Michael dieses Thema eröffnet hat, und wahrscheinlich ist er mit seinem Schaumbeton-Projekt inzwischen schon durch, aber ein paar Fragen, die er aufgeworfen hat, verfolge ich immer noch. So auch die Frage, wie es der Firma GERTEC möglich ist, einen superleichten Schaumbeton herzustellen, der nur 80 g/l wiegt, obwohl ja der Schaum ohne Zement schon so viel wiegt, wenn man der Mischempfehlung vom Hersteller des Schaummittels folgt.

Nachdem meine Schaumbetonmaschine nun stabil und zuverlässig läuft, will ich natürlich auch den Schaum noch leichter machen, damit ich bessere Wärmedämmwerte und geringere Materialkosten pro m³ bekomme. Meiner bisherigen Erfahrung nach wird ein 400 g/l Betonschaum wohl nur deshalb als Untergrenze für die Trockenrohdichte empfohlen, weil er sich auch mit einfachsten Mittel noch zielsicher herstellen lässt. Für leichteren Betonschaum wird es dann schon etwas tricky, aber es geht natürlich trotzdem, wenn man den richtigen Zement, ein Fließmittel und noch ein paar andere Zusatzmittel nimmt und außerdem einen Schaumgenerator hat, der aus Wasser + Schaummittel + Luft auch einen Schaum mit 40 g/l oder weniger herstellen kann.

Daran arbeite ich momentan, und wenn alles wie geplant läuft, dann kommt demnächst eine Zement-Fertigmischung in den Moertelshop, die das alles möglich macht und mit der man sowohl schwere als auch leichte Betonschäume herstellen kann, die nicht zusammenfallen.

Sven

Hallo,

ich bin mehr oder weniger zufällig durch eine Recherche für eine Abschlussarbeit auf dieses Forum gestoßen.
Ich arbeite mit verschiedenen Arten von Mineralschäumen und wollte mich hier gerne beteiligen.

Zunächst einmal: ich konnte nun nicht herausfinden, wo Gertec behauptet, einen Mineralschaum mit 80 kg/m³ herzustellen. In der Regel liegen die wässrigen Schaumdichten, mit denen wir bei uns arbeiten, zwischen 50 kg/m³ und maximal 80 kg/m³.

Grund für diese “Obergrenze” der wässrigen Schaumdichte ist vor allem die Verschiebung des wahren w/z-Wertes, was dann zu einer noch geringeren Druckfestigkeit führt als ohnehin schon in Schaumbetonen, sowie einem sehr starken Schwinden.

Die 400 kg/m³ Trockenrohdichte als Untergrenze zu definieren, halte ich persönlich für falsch. Die Normung für Leichtbeton hört bei dieser Grenze auf und es gibt hierzu natürlich die schönen Korrelationen von Lambda-Wert und Dichte, sowie Druckfestigkeiten und Dichte.

Als Beispiel für einen solchen leichteren Mineralschaum kann bspw. die ETA-Fabrik an der TU Darmstadt genannt werden, sowie ein aktuelles EU-Projekt (NRG-Storage).

Mit Pantapor arbeite ich ebenfalls und wir nutzen ausschließlich proteinbasierte Schaumbildner. Es zeigt sich, dass diese am Ende als Mineralschaumgemisch wesentlich stabiler sind, als mit Tensiden hergestellte. Mein Kontakt bei Pantapor und eigene Versuche bestätigen, dass man auch ohne Probleme mit einer Wasserschaumdichte von 50 kg/m³ arbeiten kann. Schaum ist eine Diva und das muss einem beim Arbeiten mit dem Material leider bewusst sein. Diesen Sommer haben wir Versuche gehabt, die fehlgeschlagen sind, da die Außentemperatur über 25 Grad lag, das Wasser zur Schaumherstellung jedoch mit maximal ~14 Grad aus der Leitung kam. Der Schaum war anfangs sehr gut, zerfiel aber über die Zeit recht schnell. Die Erwärmung der Luft in den Schaumblasen führte vermutlich zu dem Verfall.

Als allgemeine Empfehlung von meiner Seite: richtige Mischtechnik (wir mischen bspw. zweistufig, also erst Wasserschaum, dann Zementleim einmischen; funktioniert sehr gut über einen Teller/Zwangsmischer, wenn man die in die Vertikale mischen kann), immer einen CEM I 52,5 R nutzen und einen Erstarrungsbeschleuniger auf Formiatbasis einsetzen. Ansonsten ist es vor allem, was die Fließfähigkeit des Leims angeht eine Art Trial and Error.

Ich freue mich auf einen Austausch!

Hallo HansWurst,

na endlich mal jemand, der etwas von Schaumbeton versteht und sich darüber austauschen möchte. Der leichteste Mineralschaum, den ich bisher hingekriegt habe, hatte 119 g/l . Der dafür verwendete Schaum hatte 53 g/l. Die Verhinderung des Betonschaumzerfalls habe ich inzwischen ganz gut im Griff, und mit etwas erhöhter Schwindung und geringer Festigkeit kann ich gut leben, wo es z.B. um eine leichte Hohlwandfüllung geht, da es mir hier vorrangig auf einen gutem Wärmedämmwert ankommt. Das Problem ist eigentlich nur noch, dass bei so einer leichten Mischung über den Schaum tatsächlich, wie Du sagst, zu viel Wasser hineinkommt, und das führt dann dazu, dass der Betonschaum Wasser durch Drainagevorgänge verliert und dabei nasse Füße bekommt. Wenn die Schalung wasserdicht ist, dann schwimmt der Betonschaum erstmal auf dem Wasser und bindet so ab. Später (vielleicht auch erst sehr viel später) verdunstet das Wasser dann durch den Beton hindurch, und die ganze Chose sackt noch etwas nach. Wenn die Schalung nicht wasserdicht ist, dann läuft das Wasser heraus und die Chose sackt sofort nach.

Wenn Du an der TU Darmstadt bist, können wir und gern mal verabreden. Das ist für mich nicht weit.

Sven