ich habe neuerdings Probleme mit weißen Flecken auf meinen Gussstücken.
Meine Rezeptur und die Arbeitsweise hat sich jedoch (jedenfalls nicht bewusst) verändert.
Vielleicht ist das Fehlerbild ja bekannt!?
Vor allem bei dunkelgrauen Gussstücken stören die Flecken nämlich ungemein.
Guten Tag Sven,
angehängt ist die verwendete Rezeptur.
Gemischt wird ca. 90 - 120 Sekunden per Mörtelquirl im langsamsten Gang.
Die Mischung wird dann in Silikonformen gegossen und auf einer Rüttelplatte verdichtet.
Ich habe bereits die Dosis des Marmormehls verändert, den Quarzsand durch ein anderes Fabrikat ausgetauscht und einen neuen Sack Grauzement geöffnet. Die Inhaltsstoffe kann ich also (eigentlich) ausschließen, diese sind ja auch (eigentlich) durch das PL83 komplett dunkelgrau eingefärbt und können nicht zu diesen weißen Flecken führen oder?
Ja das passiert leider in allen Formen. Ich nutze aktuell das Typ 1 von TF, habe aber auch meine alten Formen (aus kond. vern. Silikon) wieder ausgepackt -> gleiches Phänomen.
Ich habe heute, aus purer Verzweiflung, mal versucht ein Teil “abzuwaschen”, also mit Wasser abzuspülen und die Flecken sind wirklich nur oberflächlich und lassen sich abreiben.
Leider verändert das natürlich die Oberfläche so sehr, dass das nicht als praktikabel für mich in Frage kommt.
ich würde vorschlagen, dass Du das im Ausschlussverfahren durchtestest. Das heißt, dass Du in Deiner Rezeptur nacheinander immer einen Bestandteil weglässt oder (wenn das nicht geht, etwa beim Zement) durch einen anderen ersetzt. Wenn es dann irgendwann keine Flecken mehr gibt, dann weißt Du, wo die Ursache zu suchen ist.
Hallo XXXX,
die weißlichen Punkte sind mit großer Wahrscheinlichkeit Ausblühungen, also freier Kalk, der mit austretendem/verdunstetem Wasser an die Oberfläche gelangt und dort kristallisiert. Die Tatsache, dass sich das Fehlerbild gleichsam abwaschen läßt, stützt die Annahme noch.
Grundsätzlich hat man bei Ausblühungen Überwässerung und/oder zu spätes Ausschalen im Verdacht, die Ausblühungen treten dann aber eigentlich eher “flächig” auf. Du hast zwar gefühlt relativ viel Wasser in der Mische, aber wenn die Rezeptur schon mal über längere Zeit funktioniert hat wären die Mengenverhältnisse nicht mein erster Ansatz bei der Fehlersuche. Ähnliches gilt für den Zusatz von zusätzlichen Reaktionspartnern für den Kalk, z.B. die teilweise Substitution des Marmormehls durch Microsilica. Das Oberflächenbild von Betongussstücken in Silikonformen wird eigentlich von den feinsten Bestandteilen der Trockenmischung bestimmt, weshalb schon recht geringe Mengen Russ zu anthrazitfarbenen Oberflächen führen. Wenn jetzt kalkhaltiges Wasser an die Oberfläche dringt, lagert sich dieses Kalk auf der durchgefärbten Betonschicht ab und hinterläßt weiße Flecken/Schlieren/Flächen. Die lassen sich normalerweise bei frühem Ausschalen mit einem feuchten Lappen noch gut abwischen, bei einem schlecht verankertem Färbemittel wie Ruß hinterläßt das dann aber gern häßliche Spuren und man tauscht ein Fehlerbild gegen ein anderes.
Dein Fehlerbild fügt der Nummer jetzt noch eine fiese Komponente hinzu: Solche punktförmigen Störungen treten immer wieder mal auf und lassen sich häufig nicht zuverlässig reproduzieren. Hier passiert an der Grenzschicht Beton/Silikon irgendwas, was sich mir nicht wirklich erschließt und eben nicht bei jedem Guss. Wenn man dann nur auf eine vergleichsweise wenige Zahl an Güssen zurückblicken kann, kommt man durchaus mal zu dem Schluss, das Phänomen sei plötzlich und unerklärlich aufgetreten. Wenn man in einem solchen Fall z.B. jede Woche einen Guss macht, können nach einem Jahr von den 52 Güssen 38 prima und 14 fehlerbehaftet sein, und durchaus 9 von diesen 14 unmittelbar hintereinander erfolgt sein. Wenn man dann vor dem 10. Guss irgendwas verändert hat, glaubt man natürlich bei der Fehlersuche erfolgreich gewesen zu sein, was dann schnell zu urbanen Legenden in den Weiten des www führt *. Gefühlt treten solche Sachen übrigens bei rußgefärbten Rezepturen verstärkt auf, da ist aber wirklich nur ein “Gefühl”, was nicht auf systematischen Tests beruht und vermutlich durch den größeren Kontrast des Fehlerbildes bei dunklen Oberflächen noch verstärkt wird.
Ich würde bei der Fehlersuche
im ersten Schritt die Trockenmischung gründlich Vormischen und die Mischdauer dann auf 5 Minuten verlängern, um auszuschließen, dass es durch Inhomogenitäten/ "Produktnester" zu den Ausblühungen kommt
im zweiten Schritt mal mit Pigmente Typ 360 statt mit Russ färben
im dritten Schritt mal den Beschleuniger weglassen und nur mit dem Portlandzement arbeiten. Die Prozesse in solch beschleunigtem Zement/Beton sind durchaus komplex, weil hier der "CSA-Teil" vergleichsweise schnell erhärtet und auch eine partiell beschleunigte Hydrophobierung im "Portland-Teil" anstößt, trotzdem erfolgen dort (Portland) über einen längeren Zeitraum noch Reaktionen innerhalb eines schon sehr starren Gefüges mit verringerter Mobilität der Stoffe.
Im dritten Schritt würde ich das/einen Teil des Marmormehls durch Microsilica ersetzen um zu schauen, ob sich der freie Kalk rechtzeitig einfangen läßt. Du könntest auch mal die Feinbestandteile ganz weglassen, das Ergebnis wäre aber nur berenzt aussagefähig, weil der entstehende Mörtel ganz andere Fließeigenschaften hätte.
Alternativ kannst Du auch mal auf eine Rezeptur mit CEM-FLUP ausweichen. Das ist ein kompletter Zement inkl. Fließmittel der nur noch Sand und Wasser braucht .. und sollte von der Verarbeitung und den Eigenschaften noch mal merklich besser sein als Deine Mische .. bei kaum höheren Kosten. Wenn das Problem dann auch auftritt sind es entweder die Zuschlagstoffe (Sand) oder Du hast ein Problem mit den Silikonformen.
Gruß und viel Glück
Martin
Das ist übrigens auch die Erklärung hinter dem meisten Wunderheilmitteln: Man quält sich über einen langen Zeitraum mit elenden Krankheitssymptomen und quacksalbert mit allen möglichen Medikamenten, Kräuterchen und Wunderheilmitteln an sich rum. Irgendwann greifen dann die famosen Selbstheilungskräfte des Körpers, die Symptome verschwinden, und was immer man dann “zuletzt” unter-/genommen hat, gräbt sich unerschütterlich als Heilung bringende Rettung in unser und das Bewußtsein unseres Umfeldes ein.