Hallo ihr alle,
Ich möchte gerne eine Terrazzo-Platte gießen. Der Look soll so werden wie das Bild unten. Dafür würde ich gerne Zierkies mischen mit weißem Portlandzement aus dem Mörtelshop.
Folgende Fragen konnte ich mir bisher nicht beantworten:
Es sollen zwei Platten werden. Eine 293x75x2,5cm, die zweite 150x75x2,5. ich dachte an 50kg Zierkies. Wie viele Sack Portlandzement bräuchte ich dafür?
Würdet ihr noch ein Füllmaterial Wie Quarzsand empfehlen? Die Grundmasse soll, wie im Bild zu sehen, sehr hell bleiben.
Wie versiegelt man Portlandzement für die Verwendung als Küchen-Arbeitsplatte? Ebenfalls mit LFC + H10?
Gibt es weitere Dinge, die ich beachten sollte?
Armierung und Trennmittel habe ich jetzt nicht aufgeführt, aber sind klar, dass ich sie brauche.
für Terrazzo solltest Du am besten nur Marmorkörnung nehmen, und nicht Quarz oder einen Mix aus Marmor und Quarz. Auf Deinem Bild erkennt man, dass die Mischung hauptsächlich aus weißem Zement und weißer Körnung besteht, in die ein paar sehr grobe bunte Brocken eingestreut sind. Du brauchst also eine Mischung aus Weißzement CEM I 42,5/R und Marmorsand feinkörnig, weiß, Körnung 0,1 - 0,5 mm und Marmorsand weiß, Körnung 0,5 - 2 mm als Basis. Anstelle von Weißzement könntest Du auch den CEM-FLUP®-42 Fließzement weiß nehmen, um eine gute Festigkeit zu bekommen. Ich würde da die Rezepturvariante 3 aus der Produktbeschreibung vorschlagen:
Rezept C (grob): 1 kg CEM-FLUP® 42 auf 2000 g Silimix 282 und 250 g Wasser (Das ergibt 1,4 Liter Beton.)
anstelle von Silimix 282 nimmst Du natürlich die Marmorkörnung. Für die farbigen Brocken musst Du noch irgendwo eine Bezugsquelle finden. Im Moertelshop haben wir das leider nicht. Dein angedachter Zierkies ist definitiv das Falsche. Vielleicht machst Du sie auch einfach selbst, z.B. aus eingefärbtem VITO FORTE, den Du in Stücke haust, wenn er schon fest, aber noch nicht so hart ist.
Insgesamt brauchst Du ca. 200 kg Beton.
Meine Empfehlung für Deine Oberfläche wäre eine Behandlung mit LFC Betonverkieselung (Achtung: nur so viel auftragen, wie innerhalb weniger Minuten einzieht und keine Pfützen stehen lassen) und darüber nach einem Tag eine weitere Behandlung mit H10 Betonimprägnierung.
Lieber Sven, ganz lieben Dank für deine Antwort und die vielen hilfreichen Tipps.
Welche Eigenschaften müssen die Steine denn haben, damit es gut funktioniert? Oder amders herum gefragt: warum denkst du, dass die Kieselsteine nicht gut funktionieren würden? Sind sie zu glatt und verbinden sich daher schlecht?
Wenn Frank das so empfiehlt, dann wird es schon funktionieren, auch mit Quarzkies. Allerdings sollte man für ein schönes Schliffbild nicht unterschiedlich harte Mineralien miteinander mischen, so wie Quarz und Marmor.
Hallo Sven,
mir ist noch was ganz anderes aufgefallen: ich möchte ja den Look erzielen wie auf dem Foto. Das heißt, dass die Steinstücke keine runden Querschnitte haben sollten, sondern eher eckig und mit Spitzen. Da muss ich wohl tatsächlich was anderes finden. Dachte auch schon an Fensterbretter aus Marmor, die ich in Stücke schlagen könnte oder sowas..
ich fürchte, wenn das was werden soll, wirst Du sowieso etwas Budget brauchen. Zum Abschleifen brauchst Du auf jeden Fall gutes Werkzeug. Aber vielleicht hast Du das ja auch schon. Ich drücke die Daumen, dass es so wird, wie Du es Dir vorstellst.
Werkzeug ist klar, ich habe mir schon einen Diamant-Schleifteller mit Absaugung für meinen Winkelschleifer besorgt, dazu dann noch das Schleifscheiben-Set.
Ich habe mir gerade, auf Basis deiner Empfehlungen, einen Warenkorb (siehe anbei) zusammengeklickt und komme auf 406 Euro für die Variante mit dem CEM-Flup, das ist noch gut im Budget. Dann werde ich mir noch 50kg Marmorbrocken besorgen, vielleicht aus einem zerklopften Fensterbrett.
Ich habe ausgerechnet, dass die 50kg Marmor etwa 0,0185m3 ergeben, das heißt, ich brauche noch 154kg Beton zum Auffüllen, laut deinem Rezept 50kg FLUP und 100kg Sand. Armierungsgewebe habe ich schon welches, das ist nicht im Warenkorb.
Stimmt das so alles, was ich da gemacht hab? Dann würde ich jetzt mal bestellen
hallo zusammen. ich möchte angesichts der stärke der platten noch darauf hinweisen, dass aufgrund der verwendung von weisszement, speziell wenn puzzolane enthalten sind, mit einem stärkeren schwindverhalten zu rechnen ist. es besteht eine erhöhte gefahr des schüsselns. ich empfehle daher wie gewohnt die gefüllten formen luftdicht abzudecken, möglichst früh zu entformen, die platten während der nachbehandlung intensiv zu beobachten und ggfls. regelmässig zu wenden. auch ein festzwingen kann während dieser zeit erforderlich werden und sinnvoll sein. viel erfolg und lieben gruss aus dortmund !
beim Guss zu dünner Platten (meist unter 4 cm) kommt es zu dem Phänomen, dass der Beton beim Abbinden ungleichmäßig schwindet und sich dadurch die Platte nach oben wölbt. Es hat mit dem Feuchtehaushalt zu tun. Idealerweise sollte ringsum dasselbe Klima herrschen, da die Gussform aber nach oben hin offen ist, geht dort mehr Feuchtigkeit verloren als auf der Unterseite. Man kann dem entgegenwirken, indem man das Teil nach dem Guss sorgfältig abdeckt und ggf. zusätzlich einen Schwindreduzierer verwendet. Auch ist es gut, die Platte nicht länger als nötig in der Form zu lassen. Ein nachträgliches Zurückbiegen ist leider nicht möglich. Mehr zu dem Thema gibt es im Techniktipp am Ende meines Newsletters vom September 2023.
sven hat es ja schon beantwortet. ich kann nur nochmal empfehlen deine werkstücke in den ersten tagen intensiv zu beobachten und mit geeigneten massnahmen zu begleiten. eine neigung zur verformung durch schwinden ist bei den dimensionen und dem verwendeten zement erhöht und vorprogrammiert. also einfach so behandeln wie einen jungen welpen. auch schon beim bau und der auflagerung der form ist genauigkeit relevant. das plattenmaterial nicht zu dünn wählen und beim einkauf auf planheit achten. bei der verschraubung genau arbeiten. dein projekt ordne ich persönlich im pro-bereich ein, wünsche dir dennoch natürlich guten erfolg.
Vielen Dank für eure Hinweise. Ich kam noch nicht dazu, die Platte zu gießen, weil die Renovierung insgesamt deutlich aufwendiger wurde, als geplant. Ich habe mir zur Sicherheit noch einen Schwindreduzierer dazu bestellt. Danke für den Tipp!
Würdet ihr empfehlen, bei den Temperaturen (in der Wohnung ca. 25 Grad am Nachmittag) zu gießen? Oder ist das ein Himmelfahrtskommando?
hi flo. das giessen in den sommermonaten ist immer heikel. ich unterlasse dies komplett im august. meine antwort auf deine frage lautet daher : himmelfahrtskommando in unterhose mit bierhelm auf im steilhang bei wetterumschwung. sofern deine rezeptur keine eiswürfel enthalten sollte ist deine verarbeitungszeit vergangen ehe du “blaubeerpfannekuchen” sagen kannst. daumen bleiben auf meiner seite dennoch gedrückt für dich. lieben gruss aus dortmund. daniel
Hi ihr Lieben,
ich habe es getan! Die Platten sind wirklich toll geworden. Ich hänge euch gleich mal ein Bild an. Natürlich habe ich Fehler gemacht (Gußform unzureichend im Wasser und nicht ganz plan aufgelegt), aber das Ergebnis ist wirklich mega geworden. Mehr Bilder gibt’s, wenn die Wohnung nicht mehr so ein Chaos ist.
Leider habe ich noch ein Problem mit der Versiegelung. Ich habe, wie empfohlen, mit LFC und H10 endbehandelt, bekomme aber dennoch Flecken, die sich nicht so leicht (bzw. gar nicht) wieder entfernen lassen. Vor allem fällt auf, dass Kaffee sehr hartnäckige Flecken hinterlässt. Kann ich das noch nachträglich verbessern? Wenn ja, womit? Die Oberfläche wirkt immer noch sehr offenporig. LFC habe ich noch was übrig, ca. 1L.
wenn Du mal die KI nach Entfärbern für Kaffeflecken befragst, findest Du schon eine Menge Vorschläge. Am sympathischsten davon war mir auf Anhieb die Gallseife. Keinesfalls empfehlen würde ich Mittel, die Säure enthalten. Vielleicht ist es am besten, eine gewisse Patina einfach hinzunehmen. Der erste Fleck schmerzt am meisten.
Hast du denn deine Terrazzoplatte auch bis 3000er Körnung hochpoliert?
Bei richtiger Politur hat die Flüssigkeit es sehr schwer in die Oberfläche einzudringen, weshalb LFC und H10 auch fast nutzlos sind, weil ja sowieso alles wieder abperlt.
Man schleift das jeweilige Korn im Nassverfahren immer so lange bis kein Abrieb mehr stattfindet und wechselt dann eine Stufe höher, für feineren Abrieb. Die Löcher vom Schleifen natürlich zuspachteln. Man kann LFC auch ziemlich am Anfang auftragen, solange es noch einziehen kann. Bei mehrmaligem Auftragen von LFC und Polieren sollte es keine Rückstände mehr geben.
Deine Arbeitsplatte sieht etwas Stumpf aus. Kann mich aber auch irren.