Um nochmal auf die oben gezeigten Platten von Lars zurückzukommen: Auf den Bildern sieht man nach meiner Einschätzung zwei Sachen, Wasserreste vermutlich vom Polieren mit Raso und oberflächliche Störungen inkl. weißlicher Ausblühungen. Was Aceton da bewirken soll erschließt sich mir nicht.
Mörtel ist im Grundsatz eine Suspension, verschiedenste nichtlösliche Stoffe unterschiedlichster Art und Größe sind dort vermischt, eine zutiefst inhomogene Pampe. Das Oberflächenbild wird grundsätzlich durch die kleinsten Teilchen darin bestimmt, in aller Regel Bestandteile vom Zement und/oder feiner Abrieb in den Zuschlägen, wenn beigegeben auch durch die noch kleineren Pigmentteilchen. In einer idealen Welt sieht die Oberfläche eines Gußstückes bei gut durchgemischtem Mörtel entsprechend ausgesprochen homogen aus, bei Ausbreitungstests (Beton –> Fläche –> Flatsch) erhält man eigentlich stets genau ein solch homogenes Bild.
In der Praxis handelt an sich aber immer wieder Inhomogenitäten ein. Einfachstes Beispiel das die meisten von uns kennen: Man befüllt eine größere Plattenform, bringt zwei Eimerladungen nebeneinander mit etwas Abstand in die Form ein, diese laufen zueinander und/oder werden mit sanftem Druck verdichtet. Nach zeitigem Ausschalen sieht man die Grenzflächen, an denen diese beiden Mörtelladungen ineinander geflossen sind, überraschend deutlich, nach Durchtrocknung der Platte bleiben diese zumeist schemenhaft erkennbar, nervt! Der Grund ist simpel: Beim Einfüllen der Mörtelklöpse bildet sich auf diesen oberflächlich (und seitlich) ein Wasserflim (Suspension –> teilweise Entmischung), diesen schiebt das Material beim Ausbreiten vor sich her. Treffen nun zwei solche Klöpse in der Form aufeinander, ergibt sich an den Grenzflächen ein Wasserüberschus, welcher nach dem Entformen zunächst auch als dunkle “Linie” deutlich sichtbar ist. In diesem Wasser sind natürlich kleinste Bestandteile des Mörtelgemisches vorhanden, aber eben nicht im selben Verhältnis wie überall anders (Inhomogenität), sobald das Wasser vollständig getrocknet ist bleiben deswegen (Inhomogenität) die Grenzflächen häufig erkennbar. Ähnliches passiert auch, wenn man Mörtel in der Gußform noch mechanisch bearbeitet, durch Stochern, Rütteln und andere Formen der Verdichtung kann man die feinstoffliche Homogenität in den Oberflächen merklich stören und sichtbare Spuren erzeugen. Einfach mal bei einer Probeplatte nach Befüllen der Form mit einem stiftartigen Gegenstand durch die Pampe fahren (ruhig mal den eigenen Namen auf den Grund der Form “schreiben”), dann weiß man wie anfällig der genutzte Mörtel für so etwas ist.
Trennmittel (und Formmaterial) können ebenfalls für sichtbare Inhomogenitäten von Mörteloberflächen verantwortlich sein. Wenn man z.B. ein wachsbasiertes Mittel aufträgt und nicht wieder auswischt, bilden sich vom genutzten Lappen/Pinsel “Spuren”, welche an den Oberflächen später gleichsam abgebildet werden. Diese Abbildung geschieht aber nicht etwa durch Inhaltsstoffe des Trennmittels, denen man mit Azeton beikommen müßte, solche Produktreste verschwinden schnell auf Nimmerwiedersehen im Beton, sondern durch Inhomogenitäten in Form und Zusammensetzung der Oberflächen.
Die beschriebenen Spuren (durch unterschiedliche Mörtelladungen, Oberflächen der Form) bilden sich auch häufig in den weißlichen Ausblühungen ab wenn diese auftreten. Ist leidlich logisch wenn man berücksichtigt, welche Rolle (Überschuss)Wasser bei der Bildung dieser Ausblühungen spielt. Haben sich diese Ausblühugen verfestigt hilft dagegen bei nicht pigmentierten Platten tatsächlich nur noch schleifen.
Für möglichst homogene Oberflächen gibt es entsprechend ein paar simple Tipps:
- Mörtel gut durchmischen
- Wenn man den Mörtel schubweise in die Form füllt, die einzelnen Portionen nicht nebeneinander platzieren sondern immer auf schon bedeckte Stellen gießen und von dort ausbreiten (lassen)
- Mechanische Nachbearbeitung (Stochern, Rütteln, Verdichten) mit Augenmaß und nur in bewärtem Maße
- So früh wie möglich Ausschalen um Ausblühungen zu minimieren. Wenn man Sorgen hinsichtlich der notwendigen Stabilität hat: Kratztest auf der Gußoberseite hilft, kleine parallel gegossene Probeplatten geben noch genauer Auskunft über den Status.
- In einem frühen Stadium lassen sich Ausblühungen mit einem feuchten Tuch abwischen. Gerade bei pigmentierten Mörteln aber auf einer Probeplatte testen, man handelt sich da schnell Wischspuren ein.
- Trennmittel dünn auftragen und auswischen.
- Topfzeit des Materials beachten: Hier im Forum werden auch für große Platten immer wieder Produkte mit absurd kurzen Topfzeiten empfohlen. Wenn sich dann in der Form Teilmengen bereits merklich versteifen, während weitere Portionen angemischt werden müssen, sind einheitlich Oberflächen kaum noch zu erreichen.
- Abschließenede Beurteilung erst lange nach dem Ausschalen: Viele der zunächst sehr auffälligen Inhomogenitäten relativieren sich ganz stark wenn die Platte durchgetrocknet ist.
- Beton ist kein Porzellan! Der Charme des Materials besteht für mein Empfinden zum Teil eben gerade im leicht inhomogenen Bild der Oberflächen, eine komplett einheitlich hellgraue Fläche dagegen langweilt schnell.
Gruß
Martin
ps. Um eine Ahnung der Komplexizität dessen was da auf Betonoberflächen in Gußformen passiert zu erhalten ist folgender Thread ganz anschaulich:
https://betonsprechstunde.moertelshop.com/forum/silikonformen-für-beton/7447-einfluss-des-verwendeten-silikon-auf-die-oberflächen-der-gussstücke
Dort geht es zwar um grundsätzlich unterschiedliche Formmaterialien von Gußformen, aber die eigentlich unerklärlichen Unterschiede bei den Gußstücken mit eigentlich perfekt “homogenen” Oberflächen der Gußformen lassen erahnen, was bei einem Gußstück mit inhomogener Oberfläche (Material, Trennmittel) passieren kann und wie komplex die Vorgänge grundsätzlich sind.