Materialwahl dünner Arbeitsplatte

Hallo!
Ich habe in letzter Zeit immer wieder kleine Projekte mit FLOWSTONE-Beton (Rezept entsprechend der Werksanleitung) umgesetzt und bin jedes Mal vom Ergebnis und der Oberfläche angetan.

Jetzt steht ein großes Projekt in Form neuen Küchenarbeitsflächen an und ich bin etwas überfordert mit der Auswahl des Materials. Als eifriger Leser dieses Forums habe ich einige Beiträge zur Problematik des Schüsseln großer, dünner Platten gefunden.
Ich hoffe, es ist in Ordnung dass ich hier das Thema nochmals aufgreife, obwohl es schon öfters in hier im Forum angesprochen wurde, aber für ich ist es leider noch nicht final klar…

Wir würden sowohl aus optischen als auch konstruktiven Gründen die Platte recht dünn halten wollen. Angedacht waren ursprünglich 25 mm, wir könnten aber auch mit 30 mm leben (Probleme mit Hitzebeständigkeit mit Töpfen etc. sind bekannt und in Ordnung).

Für die Reduktion des Schwindens habe ich bisher folgende Tipps gefunden, welche wir auch einhalten wollen:

  • Verwendung des Schwindreduzierers (ECLIPSE® FLOOR?)
  • Gut abgedichtete Schalung
  • Nach dem Betonieren direkt sorgfältig mit Folie abdecken
  • Betonieren bei hoher Raumtemperatur (25°C?) und ein möglichst rasches Ausschalen (12h bis 24h?)
Bezüglich dem Grundmaterial bin ich jetzt leider überfordert und kann die folgenden Pros/Contras nicht aufwiegen, weil mir schlicht die Ahnung und die Erfahrung fehlt:
  • Beton auf Basis FLOWSTONE selber mischen: damit könnte ich durch Verwendung etwas größer Körnung lt. Werksanleitung einen geringen Zementanteil haben, wodurch das Schwinden vielleicht noch reduziert werden könnte oder?
  • Beton auf Basis MOBY DUR: wird hier meist empfohlen, hohe Festigkeit, kann schnell wieder ausgeschalt werden, kann weniger schief gehen, Körnung kann ich aber nicht beeinflussen
  • TURBO 20 Vergussmörtel: härtet extrem schnell aus und ist angeblich fast schwindfrei, hier habe ich allerdings etwas Angst, dass die Verarbeitung bei großen Platten, insbesondere mit zusätzlicher Bewehrung im Bereich der Aussparungen etc. zeitlich ein Problem wird. Wie ist die Oberfläche optisch im Vergleich zu MOBY DUR? Auch weiß ich nicht, ob das Material so wie FLOWSTONE oder MOBY DUR wie in deren Werksanleitung beschrieben mit einem Freifallmischer verarbeitet werden könnte?
Vielleicht könnte mir hier ja jemand ein paar weitere Tipps oder Empfehlungen zur Materialwahl geben ????

Was mir auch noch nicht ganz klar geworden ist: Zeigt sich das Problem mit dem Schüsseln nur durch mögliche Verfärbungen auf der Oberseite der Platte oder ist es neben der Optik auch noch ein Problem in Hinblick auf die Konstruktion?

Hallo Chrisly,

eine gröbere Körnung würde das Schwinden wahrscheinlich nicht merklich reduzieren. Bei einer Plattendicke von 3 cm ist die Gefahr des Schüsselns ohnehin schon nicht mehr ganz so groß wie bei richtig dünnen Platten. Wenn Du dann auch noch den TURBO 20 nimmst, musst Du Dir keine Sorgen mehr machen. Zum Mischen nimmst Du dann am besten einen Mörtelquirl. Ein Freifallmischer geht zwar auch, aber dann musst Du auch beim TURBO 20 mit der Wasserzugabe so tricksen, wie in dem Video Mischanleitung Flowstone beschrieben. Erfahrungsgemäß reicht die Verarbeitungszeit beim TURBO 20 für eine Arbeitsplatte gut aus. Die Oberfläche wird genauso glatt wie bei MOBY DUR, nur ist die Festigkeit etwas geringer, und die Oberfläche ist weniger dicht, so dass Flüssigkeiten leichter eindringen können. Die Auswirkung des Schüsselns zeigt sich vor allem darin, dass die Platte gewölbt ist. Ein daraufgelegtes ebenes Brett kann also wackeln, und ein Ei kann herunterrollen.

Sven

Hallo Chrisly,

Wenn du vorher testen möchtest, könntest du zum Beispiel eine Fensterbank in der Länge herstellen, dann benötigst du nicht ganz zuviel Material und bist am Ende sicherer.

Meine erste Platte von 2,50m habe ich nicht ganz so genau genommen und es war schon eine Wölbung von 1- 2cm. Hatte am Ende Gott sei Dank nur 2 Auflagepunkte.

Heute würde mir das nicht mehr passieren. Minimum an Wasser und Zement in Bezug auf die Körnung ist dabei schon sehr hilfreich. Man muss aber auch immer die Fließfähig im Auge behalten.
Praktisch gesehen würde ohne Wasser und Zement keine Schüsselung stattfinden.:wink:

Ich würde auch bei Flowstone bleiben. Turbo20 fand ich von der optischen Oberfläche nicht so schön, ist auch Geschmackssache.
Wenn man Estrichkies verwendet sollte man auf jeden Fall mit Pigmenten trocken vorzumischen.

Schon mal vielen Dank für die schnellen Antworten, dass geht ja schnell hier :slight_smile:

Wenn ich durch die Verwendung von Turbo 20 das Schüsselungrisiko vermeiden kann hört sich das schon gut an. Ich glaub ich werde mir testweise mal ein oder zwei Sack bestellen und testen!

Sven, beziehst du den Vorschlag mit dem Mörtelquirl zum Mischen auch auf die Arbeitsplatte? Hab ich bei einer Menge von 110 kg für die Platte eine Chance das zu verarbeiten? Stelle ich mir auch wenn man zu zweit ist eher schwierig vor oder schätze ich das falsch ein?

Welche Zusatzmittel muss ich für den Turbo 20 noch bedenken? Außer Pigmenten und vermutlich Glasfasern (AR-Stapelglasfasern integral müssten passen oder?).

Sollte ich nach den Tests mit Turbo 20 beschließen mit der Flowstonemischung zu arbeiten werde ich jedenfalls dem Vorschlag von gestalter-dave nachkommen und einen größeren Probekörper ausprobieren :cool:

Hallo Chrisly,

wenn Du in einem Mörtelkübel jeweils zwei Sack auf einmal anrührst, dann brauchst Du ja nur zwei Durchgänge. Das ist mit einem Helfer zusammen gut machbar, vor allem dann, wenn man zuerst 1/4 der Trockenmasse zurückhält, bis die Masse richtig fließt, und den Rest dann nach und nach hinzugibt, etwa so wie in dem oben erwähnten Video beschrieben. Mörtelquirl heißt dann allerdings nicht Bohrmaschine mit Mixquirl für Wandfarben, sondern damit ist ein Rührwerk mit einem oder zwei Quirlen gemeint, wie es die Verputzer verwenden.

An Zusatzmitteln brauchst Du gar nichts weiter. Vor allem würde ich die Kurzfasern weglassen, die Frank auf seinem Kanal Grey Element so gerne empfiehlt. Zum Thema Kurzfasern empfehle ich die Lektüre des Techniktipps am Ende meines Newsletters vom Mai 2021.

Sven