Hallo Zusammen,
Ich bin Beton-Neuling und würde mich gerne am Guss eines Longboards versuchen. Das Longboard soll 2 m lang, 40 cm hoch und 40 cm tief werden, mit einer Wandstärke von 4 cm. Der Render anbei zeigt grob, wie ich mir das Ergebnis vorstelle. Da ich trotz der Abmessungen gerne in der Lage wäre, das Longboard mit überschaubarem Aufwand zu transportieren, würde ich gerne Styroporplatten mit eingießen. Aus diesem Grund habe ich überlegt, ein Stahlgerüst aus Rechteckrohr zu schweißen, die Styroporplatten in dem Stahlgerüst zu fixieren und dann das Stahlgerüst in der Schalung zu zentrieren bevor es zusammen mit dem Styropor eingegossen wird. Zur Fixierung würde ich das Gerüst mitsamt der Styroporplatten mit Hasendraht eng umwickeln. An dem Gerüst würde ich gerne zudem auch die Aufnahmen für die Füße des Longboards und die Befestigungen für die Seitenwände der Schubladen anschweißen. An diesen Aufnahmen würde die Schalung entsprechend befestigt, sodass sie später plan mit dem Beton abschließen und als Befestigungspunkt dienen. Das zweite Foto zeigt in etwa das Stahlgerüst in Rot mit der Styroporplatte in Weiß und der Betonform angedeutet als Gitterlinie. Da Ich noch nie mit Beton gearbeitet habe weiß ich nicht, ob der Ansatz überhaupt zielführend ist. Folgende Dinge machen mir etwas Sorgen:
- Muss ich das Stahlgerüst Verzinken um Korrosion zu vermeiden oder ist das bei einem Innenraum-Möbel kein Problem?
- Muss ich die Stahlteile mit Material ummanteln welches dem Beton das Schwinden erlaubt?
- Ist es ein Problem, Stahlteile als Befestigungspunkt aus dem Guss herauszuführen?
- Wie hoch muss die Überdeckung für das Styropor / das Stahlgerüst mindestens sein?
- Kann sich die Betonschicht unterhalb der Styroporplatte tragen oder kann es passieren dass diese abbröckelt? Würde hier der Hasendraht als zusätzliche Bewehrung helfen, wenn ich ihn um das Gerüst wickle um die Styroporplatten zu fixieren?
- Zu guter Letzt: in welcher Lage würde man so ein Objekt am schlausten Gießen? ich hätte gerne eine 45°-Kante umlaufend an der Vorder- und Rückseite (siehe Bild) weshalb diese Stellen vermutlich dauerhaft geschalt sein müssten. Bleibt eigentlich nur die Unterseite, die später nicht mehr zu sehen ist. Allerdings kann ich nicht einschätzen, wie gut sich das Material hier verteilt oder ob es zu Problemen beim Guss kommen kann.
Bitte entschuldigt diese vielen Fragen, vielen Dank für eure Zeit und schöne Grüße
Tobias


Hallo Tobias,
wenn Du ein Sideboard aus Beton mit 4 cm Wandstärke gießen willst, dann mach das am besten massiv aus Beton und lass den Rohrrahmen und die Styroporfüllungen weg. Das kannst Du dann am besten auf der Frontseite liegend betonieren, notfalls auch ganz ohne Bewehrung, wenn Du einen ausreichend festen Beton nimmst.
Wir haben speziell für Möbel und Accessoires aus Beton einen hochfesten Vergussbeton auf Basis des Spezialzements Dyckerhoff FLOWSTONE® . Das Produkt nennt sich MOBY DUR® und dürfte für Deine Anwendung sehr passend sein. Es gibt die Fertigmischung als MOBY DUR® weiß oder als MOBY DUR® grau. Das Anmischen mit Wasser erfordert idealerweise einen Zwangsmischer oder zumindest eine spezielle Mischtechnik/Vorgehensweise, wobei die weiße Variante etwas anspruchsvoller ist als die graue. Ich empfehle dazu das Ansehen unseres Videos Mischanleitung Flowstone. Es gibt weitere ausführliche und sehr wichtige Hinweise zur Verarbeitung in der Werkanleitung Flowstone, die man im Shop auch als kostenlosen Download herunterladen kann.
Die inneren Teile Deiner Gussform müssen so ausgeführt sein, dass sie der Schwindung des Betons nachgeben, am besten auch dann, wenn Du Dich für den schwindfreien TURBO 20 Vergussmörtel schnell grau (hier ein unabhängiges Testvideo zu diesem Produkt) als Alternative zu MOBY DUR entscheiden solltest.
Herausstehende nicht verzinkte Metallteile sind im Innenbereich bzgl. Rost kein Problem, eine geringe Überdeckung auch nicht.
Wenn Du das alles gar nicht willst, sondern lieber an Deinem Plan festhalten möchtest, dann kannst Du auch den Stahlrahmen bauen, mit WEDI Platen beplanken und danach dünn mit Beton (z.B. MARFINO® CONCRETE SURFACE Microzement, nach vorheriger Untergrundvorbereitung mit KLEMO Marmorkleber und Panzergewebe) überspachteln, damit es nach Beton aussieht. Das klingt dann aber beim Draufklopfen hohl und ist auch nicht so robust.
Wenn das auch keine Option ist, Du aber gern viel über Beton lernen möchtest und es Dir nichts ausmacht, wenn am Ende alles in der Tonne landet, dann folge Deinem ursprünglichen Plan.
Sven
Da kann ich Sven nur recht geben. Für Anfänger denkbar ungeeignet. Es würde Sinn machen ersteinmal klein anfangen, um zu verstehen wie Beton eigentlich funktioniert.
Hallo Sven,
vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort. Wie ich sehe gibst du meinem Plan keine all zu großen Erfolgschancen. Meine bedenken bei der Variante aus Massivbeton sind hauptsächlich das Gewicht; bei den geplanten Abmessungen würde ich hier bei etwa 200 kg landen. Ich hätte gerne versucht das Gewicht unter 100 kg zu halten um das Möbel am Ende auch in meine Dachgeschosswohnung tragen zu können und nicht in der Werkstatt zurück zu lassen. Siehst du eine bessere Möglichkeit, das Gewicht entsprechend zu reduzieren?
Falls ich mich für die massive Variante entscheiden würde, wie würde ich die Seitenwände der Schubladen etc. am Beton befestigen?
Die inneren Teile Deiner Gussform müssen so ausgeführt sein, dass sie der Schwindung des Betons nachgeben
Aus welchem Material müsste man die Gussform bauen um das sicherzustellen? Meine Idee war die Schalung aus melaminbeschichteten Holzplatten oder Holzplatten mit ähnlich glatter Oberfläche zu bauen, es klingt jedoch so als wäre das zu starr für die Innenseite.
Mir ist bewusst dass das nicht unbedingt ein Einsteigerprojekt ist, trotzdem würde ich mich gerne daran versuchen.
Schöne Grüße,
Tobias
Hallo Tobias,
ein Innenteil der Form aus Styropor wäre z.B. geeignet. Leider habe ich keinen weiteren Vorschlag zur Gewichtseinsparung. Vielleicht kannst Du den Entwurf so modifizieren, dass es zwei kürzere Boards werden. Oder Du lässt den Stahlrahmen sichtbar und passt nur in die Flächen einzelne gegossenen Betonplatten ein. Auch mal schön.
Sven
Hallo Sven, das ist sehr solide ausgedrückt, aber den Stahlrahmen sichtbar zu lassen ist gar keine schlechte Idee. Zu zeigen was verbaut wurde erinnert an Bauhaus Architektur, das individuell umzusetzen, dürfte auf jeden Fall ein Hingucker werden und ein Unikat sowieso.
Bin mal gespannt ob man hier nochmal was sieht.
Hallo Dave,
ja, mir würde es auch gefallen. Aber erst mal sehen, ob das überhaupt in Tobias’ Gesamtkonzept hineinpasst.
Sven
Hallo zusammen,
danke nochmal für die Anregungen. Ich muss zugeben dass ich nach eurer Einschätzung etwas ernüchtert bin und mir jetzt erst mal überlegen muss, in welche Richtung das Ganze jetzt gehen soll. Gestorben ist das Projekt aber noch nicht und ich werde euch gerne updaten, wenn es ein Ergebnis gibt.
Schöne Grüße Tobias
Hallo Tobias,
das klingt doch gut. Die Ernüchterung wäre sowieso gekommen, aber jetzt hast Du sie kostenlos. Bin gespannt auf den weiteren Werdegang Deines Projekts.
Sven