Betonguss mehrschrittig?

Liebe Gemeinde,
ich habe eine kurze Frage, zu der ich nix in den Foren gefunden habe:
Wenn ich an eine Arbeitsplatte aus z.B. Flowstone Beine ( als stehende Platten ) gießen möchte, kann ich diese in einem zweiten Arbeitsschritt “angießen”, wenn ich im ersten Schritt eine FG-Armierung, die dann teilweise freisteht, mit in die Platte eingegossen habe?
Oder ist aus Stabilitäts- und Frostschutzgründen auf eine solche Lösung eher zu verzichten - und der Gießvorgang in einem durchzuführen?

Vielen Dank an die Profis,
Jobst

Hallo Jobst,

das sogenannte Aufbetonieren, welches Du planst ist immer etwas problematisch, weil der frische Beton normalerweise beim Abbinden schwindet und sich dabei von dem alten Beton wieder löst. Du könntest das aber mit Plan B Industrieboden (hier das Anwendungsdatenblatt) machen, der schwindfrei ist und außerdem sehr gut auf vorhandenem Beton haftet.

Was Du mit der FG-Armierung meinst, ist mir leider nicht ganz klar. Kurzfasern wären hier nicht das Mittel der Wahl. Wenn Du aber eine abgekantete Baustahlmatte in die Tischlpatte einlegst, die dann auch in die später gegossenen Beine hineinragt und so Beine und Platte verbindet, wäre das in Ordnung.

Sven

Guten Morgen Sven,
vielen Dank für die Infos. FG sollte Fieberglass - Matten bedeuten, die Materialstärke des Endproduktes ist ja so viel geringer als bei der Verwendung von Stahl - oder?! Ich wollte folgendermaßen vorgehen: Arbeitsplatte in eine Negativ-Form gießen, die Matten einlegen und an dem Platz für die Beine diese im rechten Winkel aus der Unterseite der Platte herausführen. In einem zweiten Schritt - mit einer zweiten Gußform - die Matten von oben in die Gußform der Tischbeine “ziehen” und fixieren, und von oben den Beton in die Gußform der Beine gießen… hatte ich mir so vorgestellt!
Was meinst Du, klappt das? Ausführung ist in Flowstone oder Weißzement aus dem Hause moertelshop geplant. Als Armierung hatte ich Basaltfasertextil Typ 33 oder Glasfasertextil Typ 11 gegplant.
Mit dem Aufbetonieren der Beine bin ich - auch durch deinen Einwand - nicht mehr sicher, ob nicht auch ein verkleidetes Stahlgestell den gleichen Zweck erfüllt!

Jobst

Hallo Jobst,

das hört sich für mich etwas kompliziert an. Das Herausstehenlassen der Bewehrung, senkrecht nach oben abgeknickt, würde mit einer Metallbewehrung funktionieren, etwas Ähnliches mit einer Bewehrung aus Glas-, Kohle- oder Basaltfaser zu probieren, wäre aber nicht besonders sinnvoll. An der Ecke gibt es eigentlich nicht viel zu bewehren. Wenn Du aber Angst hast, dass der aufgegossene Beton sich nicht mit dem alten Beton verbindet und deshalb mit Hilfe der Bewehrung dafür sorgen willst, dass die Beine an dieser Nahtstelle nicht abbrechen, dann musst Du das ganz gezielt und genau machen, mit innerer und äußerer Bewehrung für beide möglichen Lastrichtungen. Ein Textil, das da einfach nur in einem Bogen um die Ecke geführt wird, kann das nicht leisten. Ich würde es aber wie gesagt lieber nicht so kompliziert machen. Ein Stahlgestell wäre natürlich schön. Wenn die Beine dick genug sind, wird es auch mit Beton gehen, natürlich unter Beteiligung von Plan B wie oben vorgeschlagen.

Sven

Hallo Jobst,

ich habe deine Vorgehensweise auch nicht ganz verstanden. Du möchtest deine Platte in einer Negativform herstellen und dann nach 2 Tagen betonierst du noch die Beine auf die Rückseite deiner Arbeitsplatte. Wenn alles durchgetrocknet ist, drehst du deine Arbeitsplatte + Beine um und stellst sie an Ort und Stelle auf. Ist das richtig?

Wenn ja, warum nicht aus einen Guss? Theoretisch wäre das machbar. Vorrausgesetzt, du hast genug Materialstärke und Muskelkraft, um die Arbeitsplatte nach dem Guss aufrecht hinzustellen. Ich kenne ja deine Maße nicht. In deinen Fall, sofern du dir das als Gesamtes vorstellen kannst und du auch die Kilozahl weißt, würde ich die Schalung inkl. Beine bauen und die Stahlarmierung darin komplett von einem Bein bis zu nächsten durchziehen, qasi als U- Form. Dann gießt du deine Arbeitsplatte bis sie voll ist und legst dann einen Deckel darauf, den du mit Schrauben, Dachlatten und Schraubzwingen fixierst. Anschließend betonierst du die Beine.

Das wars.

Allein beim Gewicht kann ich mir das aber auch nicht so vorstellen. Aber das wäre wahrscheinlich deine Vorstellung von der Herangehensweise.

Grüße Dave

Hallo zusammen,

bei der von Dave vorgeschlagenen Vorgehensweise (alles in einem betonieren) gibt es noch zu bedenken, dass man dann zwischen den Tischbeinen eine sog. Innenform hat. Innenformen schwinden leider nicht mit, wenn der Beton beim Abbinden schwindet, und deshalb neigen sie dazu, Risse zu verursachen. Hier im konkreten Fall würde das bedeuten, dass die Beine abgeschert werden. oder zumindest am Übergang zwischen Beinen und Platte ein Riss entsteht. Das ist aber wohl genau das, was Jobst verhindern will.

Sven

Hallo Sven,

das mit dem Schwinden ist mir gestern Abend auch noch eingefallen, da lag ich aber schon im Bett :D.
Und dass Jobst diese Bauweise verwendet, um die Risse beim Abbinden zu verhindern, läst sich nur vermuten. Zumindestens steht nichts davon in den Beiträgen. Man kann sich ja immer vieles denken, nur muss das auch für eine dritte Person nachvollziehbar sein, warum man sich genau dafür entscheidet.

Und weil ich so gerne für jedes Problem nach einer Lösung suche, wäre mein neuer Vorschlag die Tischplatte + Beine immernoch wie oben beschrieben in einem Guss anzufertigen. Bei der Innenform könnte ja 5cm auf beiden Seiten von den Tischbeinschalung zurückbleiben und hier könnte man eine Behelfsschalung aus Styropor oder Styrodur einbringen. Diese wird wiederum beim Eingießen des Betons in die Tischbeine durch Dachlatten und Schraubzwingen festgehalten. Diese kann man ja, sobald der Beton einigermaßen standfest ist wieder entfernen und der Beton kann dann an beiden Seiten arbeiten.

Würde das funtionieren? Oder wären auch hier Probleme zu erwarten?

Aus meiner Sicht wäre das Problem, dass hier die Beine abfallen oder brechen nicht so groß. Etwas aus einem Guss zu haben wäre ja auch schöner als einfach nur angeklebt :wink: .

Grüße
Dave

Hallo Dave,

ja, so eine Lösung wäre schon OK, macht aber etwas Umstände. Es gibt grundsätzlich die folgenden Optionen:

  1. nachgiebige Innenform (Styropor, Silikon, Hybrid, was auch immer)
  2. sehr frühes Entfernen der Innenform noch bevor die Schwindung richtig einsetzt (nur zu empfehlen, wenn man in Serie produziert und schon viel Erfahrung mit dem betreffenden Gussteil hat)
  3. Mischmasch aus beidem

Sven