Arbeitsplatte mit Aufkantung

Hallo liebe Forengemeinde,
Ich bin mir sicher, ob ich hier im richtigen Unterforum bin, falls nein, bitte ich den Thread zu verschieben.

In jedem Fall bin ich neu hier im Forum und möchte hier die Experte zur Verarbeitung mit Dyckerhoff Flowstone befragen, da ich mich demnächst das erste Mal daran versuchen möchte, meine erste eigene Arbeitsplatte für unsere neue Außenküche zu gießen.

Meiner Frau und mir sagt es optisch zu, wenn Arbeitsplatten “wuchtig” und dick sind (siehe angehängtes Bild als Referenz).
Wir hatten daher überlegt unsere Arbeitsplatte mit den Maßen L 160cm x B 95cm in einer Höhe von 10cm zu gießen. Aufgrund des hohen Gewichts und der benötigten Materialmenge, haben wir diesen Plan jedoch schnell wieder verworfen und uns über einen alternativen Plan Gedanken gemacht.

Die Idee ist nun, die Platte mit Aufkantung (bzw. in diesem Fall Abkantung, sprich umgelegter Kante) zu gießen. Die geplante Arbeitsplatte hätte dann eine Dicke von 5cm, die Ecken hingegen sind um 90° umgelegt und 10cm lang, sowie auch 5cm dick. Für die Schaltung habe ich mir überlegt Melamin-beschichte Platten zu verwenden und die Kanten abzudichten. Die Frage ist jedoch nun, wie die Schalung zu bauen ist. Mein Plan war die Grundschalung in der Größe 160cm x 95cm x 10cm zu bauen und eine zweite Schaltung in der Größe 150cm x 95cm x 5cm zu bauen.

Die Kanten zweite Schalung würde ich dann entweder a) mit Dachlatten auf den Kanten der ersten Verschalung verschrauben (quasi schwebend) oder b) erst 5cm in die erste Schaltung gießen, dann die zweite Schaltung drauf legen, ausrichten und dann die Ränder ausgießen. Ich bin mir bei beiden Varianten unsicher ob dies so klappt. Bei Variante a) habe ich Zweifel, dass die Masse flüssig genug ist um auch zwischen die beiden Schaltungen zu laufen. Zudem habe ich Zweifel ob der Sauerstoff ordentlich entweichen und die Masse auslüften kann.
Variante b) hätte in jedem Fall den gleichen Nachteil (vllt macht es hier Sinn, wenn die zweite Schaltung mit ausreichend Löchern versehen wird, sodass die Luft entweichen kann. Die Löcher sind optisch kein Problem, weil sie sich am fertigen Produkt ja an der Unterseite befinden.

Was sagen die Experten hierzu? Wie würdet ihr das machen?

Danke für eure Hilfe

Viele Grüße
Chris

Hallo Chris,

Also ich würde Variante b nehmen. Müsstes du für die Breite der Innenschalung nicht 85cm statt 95cm nehmen, sonst passt das doch gar nicht, also 1.50m x 0,85m. Für die Innenschalung würde ich auf jeden Fall Styrodurplatten von 5cm verwenden. Die Platten schneidest du vorher sauber zurecht, dann legst sie trocken rein und machst dir einen Strich an deiner Aussenschalung, bis dahin kannst du betonieren. Jetzt fixierst du deine Styrodurplatten (Schraube + Unterlegscheibe) mit den Dachlatten, das wären 2 Latten quer pro Platte ( das wären 6 Stück ) und 2 Latten längs in die 1,50m Länge, die halten nochmal alles zusammen. Die Schrauben mit Unterlegscheibe kannst du in der Platte versenken und überspachteln. Das alles befestigst du mit Schraubzwingen an der Unterschalung. Oder du hast das vorher schon einmal trocken daraufgelegt und mit Schrauben an deiner Außenschalung vorfixiert ( also vorgeschraubt und wieder gelöst) .

Zum Entlüften: bei 5cm Stärke braucht Flowstone nicht so lange zum Entlüften. Ob man da noch extra Löcher reinmachen muss, weiß ich nicht. Ich würde es wahrscheinlich nicht machen. Meine Platten bekommen auch immer einen Deckel drauf. Bis jetzt war alles gut, außer einmal, da hatte ich vergessen, den Deckel am nächsten Tag zu entfernen. Da gab es Risse.

Dazu würde ich Sven gerne noch einmal Fragen. Wie lange kann man so eine Gegenschalung auf dem Beton lassen, ohne dass dieser Schaden davon trägt?

Grüße Dave

Hallo Dave,
vielen Dank schon einmal für deine Antwort und die hilfreichen Tipps.
Du hast natürlich vollkommen Recht, die Innenschalung muss 0,85m sein - Tippfehler.

Wie sieht es denn mit einer Bewehrung aus? Ich plane zusätzlich eine Aussparung für ein Waschbecken, hier würde ich Moniereisen verwenden. Für die Abkantung sollte man Bewehrungsgitter (hochkant) verwenden, oder? Wie kann ich sicherstellen, dass sich dieses im Beton nicht absenkt? Ist es empfehlenswert hier besser eine Bewehrung aus Textil zu verwenden und zu fixieren?

Wegen der Gegenschalung auf dem Beton: kann ich sicher sein, dass der Beton keinen Schaden davon trägt, wenn ich die Innenschaltung am Folgetag direkt entferne?

Viele Grüße
Chris

Hallo Chris,

Manchmal vergesse ich die Hälfte mitzuteilen.

  1. die Gegenschalung, die ich verwende ist aus Holz, dieser Riss von dem ich sprach, weil ich vergessen hatte auszuschalen, war ein Mikroriss. Das bedeutet dieser Riss ist so klein, dass du ihn mit dem blosen Auge nicht sehen kannst. Erst wenn du die Verkieselung aufträgst kommt er kurzzeitig zum Vorschein und verschwindet dann auch wieder. Ich bin da manchmal auch ein bisschen pingelig :D.

  2. Die Innenschalung, die du verwenden sollst, ist aus Styrodur. Weil die Styrodurplatte ringsum von Beton eingeschlossen ist, kann sich anders als bei Holz, nicht soviel Spannung aufbauen, und du kannst sie später leichter entfernen. Bei einer Holzschalung wäre das nicht der Fall, es würden Risse entstehen, und du würdest sie auch nicht mehr rausbekommen.

  3. Zur Bewehrung: Statt Moniereisen könntest du auch die Fiberbasaltstäbe von Sven einbauen und Texilgitter. Das wäre auf jedenfall einfacher einzubringen als Stahl und da Flowstone eher plastisch angemacht wird, senkt das auch nicht ab.

  4. Was deine Abkantung in Verbindung mit dem Texilgitter angeht bin ich ein wenig unschlüssig, so einen Fall hatte ich noch nicht. Würdest du das Gitter einfach nur so umlegen, würdest du vielleicht keine 90° hinbekommen. Hier wäre die Überlegung aus Basaltstäben, kleine L-förmige Enden zu schneiden und diese mit deiner Abkantung und der Betonplatte zu verbinden und dann in deiner 5cm Abkantung rundumlaufend auch noch einen einbringen und die wiederum mit deinen L - Stücken verbinden.

Dave

PS: Warte aber noch solange, bis Sven sich das angeschaut hat, vielleicht hat er auch noch einen Vorschlag.

Hallo Chris, hallo Dave,

das ist der klassische Fall mit Verdränger. Der Verdränger hält den Platz im Inneren frei, wo kein Beton hinlaufen soll. Er muss so gestaltet sein, dass er die Schwindung des Betons nicht behindert. Deshalb macht man ihn am besten aus Styropor, weil sich das am leichtesten zusammendrücken lässt. Styrodur wäre für meinen Geschmack schon zu hart, und eine Innenschalung aus Holz wäre gänzlich ungeeignet, es sei denn, man bringt ringsum eine Pufferzone an, z.B. aus geschäumter Trittschalldammung oder den klassischen Randdämmstreifen. Das geht dann natürlich und hat sogar den Vorteil, dass man den Verdränger später gut wieder herausziehen kann. Ein eingegossener Styroporkörper ist dagegen nur mit Gewalt und unter Bildung von viel Dreck wieder herauszubekommen. Man kann Styropor natürlich auch einfach drin lassen, denn das stört nicht weiter. Oder man wickelt den Styroporkörper in Folie ein, damit er keinen direkten Kontakt zum Beton hat und spendiert ihm vielleicht auch noch eine kleine Formschräge von 3 °, damit man ihn gut herausziehen kann.

Es ist in der Tat auch eine Frage des Timings. Wenn der Verdränger so starr ist, dass er gar nicht nachgibt, dann kann es trotzdem gut gehen, sofern man ihn früh genug entfernt, d.h. solange das Schwindmaß noch nicht zu groß ist. Hier gilt “so früh wie möglich”, aber einen genauen Zeitpunkt kann man schwer angeben. Schließlich muss der Beton ja auch erst einmal so hart sein, dass er es übersteht. Ich habe einen Industriekunden, bei dem der Verdränger aus Stahl ist, und es geht trotzdem gut, weil es ein genau getaktetes Verfahren ist. Trotzdem ist mir der nachgiebige Verdränger aus Styropor erheblich sympathischer, und er ist für Einzelstücke wohl auch am schnellsten und einfachsten herzustellen.

Der Riss, den Dave beschreibt, ist das Ergebnis , wenn es nicht gut gegangen ist. Leider können solche Risse mit der Zeit breiter werden. Wenn man sie am Anfang also noch kaum wahrnimmt, ist das noch nicht unbedingt ein Grund zur Entwarnung.

Zur Bewehrung: Wenn Deine Platte 10 cm dick und hohl ist, dann hat sie allein durch Ihre Gestalt schon eine enorme Biegesteifigkeit und wird auch ohne Bewehrung nicht so schnell brechen, vorausgesetzt, es gibt keine Vorschädigung, etwa durch Risse wie die oben beschriebenen. Sollte sie doch brechen, so dürfte dabei als erstes der umlaufende untere Rand versagen, weil hier weniger Material ist als oben in der durchgehenden Platte. Deshalb würde ich auch nur hier eine Bewehrung einplanen, am besten in Form von ringsum eingelegten Fiberbasaltstäben (= Bewehrung spätere Unterseite). Ansonsten würde ich die senkrechten Wangen einfach unbewehrt lassen. Auf der gegenüberliegenden Seite würde ich dann auch noch die Platte selbst bewehren, z.B. durch Einlegen von einer Lage Typ 55 Carbonfasertextil, 149 g/m² direkt unterhalb des Verdrängers (= Bewehrung spätere Oberseite).

Zur Entlüftung: Die im Beton aufsteigenden Luftblasen kannst Du einfach ignorieren. Es bilden sich dadurch nur ein paar Lufteinschlüsse zwischen Verdränger und Betonkörper, die aber weiter nicht stören.

Sven