Arbeitsplatte in L-Ausführung mit Einlagenfragen

Hallo zusammen!
Ich plane eine Arbeitsplatte mit Aussparung für unsere Outdoorküche zu gießen. Die Platte soll ca. 175cm x 170cm x 60cm in einer Stärke von 3,5cm betragen.
Als Form habe ich beschichtete Spanplatte verbaut. Zur Ausgestaltung des L’s habe ich natürlich jetzt einen Stoß / Ritze. Damit dies im fertigen Werkstück nicht zu sehen ist, muss ja eine Einlage auf den Boden. Hier wird ja oft auf die Milchtütenfolie verwiesen, die ich aber leider nicht in einer ausreichenden Größe finden kann, um EIN großes “L” auszuschneiden. Ich befürchte, dass ich bei einem Überlappen der Folie dies auch später sehen werde, was es natürlich zu verhindern gilt. Habe ihr irgendwelche Tipps für mich, was ich einlegen kann?! Kann man vielleicht eine Plane nehmen? Habe hier aber Befürchtungen, dass die Beschichtung der Plane möglicherweise mit dem Beton reagiert - Verfärbungen/Ausblühungen, was auch immer?! Worauf muss ich achten, was würdet ihr da nehmen?

  • MobyDur
  • Plopp
  • Pigmente Typ360
  • Basalttextil Typ31
  • OttoSeal NAturstein Silikon
  • Bewehrungsstahl um die Aussparung

Bin jetzt schon sehr dankbar für eure Zeit!!
Vielen Dank und beste Grüße
Christian

Hallo Christian.

Eine Lösung für dein Milchkarton wäre ein exakter diagonaler Schnitt den du anschließend Stoß an Stoß hauchdünn verklebst. Den Einschnitt macht man am besten wenn beide Kartons überlappend in der Form liegen. Den Anschlag zum Schneiden kann man mit Zwingen befestigen. Wenn später etwas durchscheint sieht es aus wie gewollt :wink:
Von einer Folie oder Plane würde ich abraten, schlägt nur Falten im Beton.
Ich würde zwei so große Spannweiten aufgrund der Verformung des Betons auch nicht gerne über Eck betonieren. Hier könnte es unter Umständen Probleme geben, muss aber nicht. Über und unter deiner Aussparung würde ich Basaltstäbe verwenden und 20cm darüber hinaus legen. Bewehrung würdest du wenn denn als Winkel über Eck in der die beiden Platten sich treffen einlegen. Gegen Auf oder Absenken von Stahl und Gewebe hilft eine Glasfasermatte.

Generell sind Probegüsse vorab notwendig um zu testen wie weit man klarkommt und zufrieden ist. Ich komme zum Beispiel auch nicht mit Plopp klar. Sieht aber jeder anders.
Ein Zwangsmischer ist Pflicht.

Moin Dave, vielen Dank für die schnelle Antwort. Vielleicht könntest du mir erklären, welche Vorteile die Milchkartonfolie ggü. einer “normalen” Baufolie/PE-Folie hat. Das Risiko der höheren Faltenbildung verstehe ich nicht, habe aber auch den Karton noch nicht in der Hand gehabt. Bitte erkläre mir auch nochmal, warum du die Spannweiten aufgrund der “Verformung” des Betons einzeln betonieren würdest - hatte die Teile nämlich eigentlich getrennt und mich dann doch entschieden sie als 1 Teil zu machen?! Ebenfalls hast du Popp als problematisch angesprochen? Zwangsmischer habe ich auch nicht, wollte nach der Anleitung mit Freifallmischer arbeiten?!

Hallo Christian,

wenn Du keine Milchkartonpappe in der passenden Größe findest, dann kannst Du auch ein Stück PVC-Fußboden nehmen. In diesem Beitrag siehst Du, wie meine Formen üblicherweise aufgebaut sind. So würde ich es hier auch machen.

Sven

Hallo Sven! Beim PVC-Boden muss ich auf gar nichts achten?! Würde da 1 bis maximal 1,5mm Gesamtstärke wählen, da meine Plattenstärke ja nur 35mm im Ganzen beträgt. Die Formen /Kanten sind nämlich leider schon gebaut/verschraubt. Hälst du die Gesamtstärke für problematisch?

Hallo Christian.

Eine Folie ist 1. Zu leicht und verschiebt sich zu schnell, dabei wirft die Wellen. 2. Ist die Baufolie auf der Rolle auch geknickt zusammen gefaltet. Diesen Knick hättest du später auch im Beton.

Zum Schüsseln von Beton: Wenn beide Spannweiten von 1,70m genau auf der Ecke hochgehen will die eine nach links und die andere nach rechts. Folglich trennen sich beide dann lieber, sofern man die beiden Platten mittels Bewehrung nicht daran hindert. Die Kräfte können auch trotz Bewehrung um das Eck herrum weiter in die Plattenmitte übertragen werden.
Also mir wäre das bei 3,5cm zu Heikel, auch wenn ich das Schüsseln schon sehr gut bändigen konnte.
Vielleicht hast du Glück und es kommt nur ein Haarriss.

Plopp trennt mein Beton nicht so gut wie Schalöl. Von daher bin ich zum Öl gewechselt. Muss aber ebenfalls mit dem Lappen aufgetragen werden, ablüften und nachwischen, sonst können Flecke entstehen. Bis jetzt hatte ich aber noch keine. Ein hauchdünner Film reicht.

Bei einem Freifallmischer ist der Hochleistungsbeton echt schwierig anzumischen, Mobydur muss eine Weile Erdfeucht gerühert werden, bevor das Fliessmittel aktiviert wird.
Die Mischung wird anders als im Zwangsmischer nicht so intensiv durchgeknetet und fällt nur vor sich her. Wenn du Pech hast klebt alles an der Trommel und dreht sich mit.
Die Versuchung mehr Wasser zu verwenden ist größer.

David

Hallo Christian,

ich würde Dir auf keinen Fall empfehlen, den PVC-Fußboden genau auf Maß zuzuschneiden und in die Gussform einzulegen. Er sollte unter der Formwand durchgehen. Schrauben kann man lösen und wieder neu anschrauben. Das ist weniger Arbeit, als eine neue Platte zu gießen, weil die erste wellig geworden ist. So hast Du auch keinen Verlust in der Höhe. 35 mm Plattendicke ist eh schon schmerzhaft wenig.

Sven

Da meine Schalung eine Stärke von 19mm hat und die Seitenwände nicht auf der Trägerplatte, sondern seitlich angeschraubt sind, würde das bedeuten, dass meine Platte auf 56,2cm schrumpft und in der Stärke auf 54mm (-PVC) wächst.
Vielleicht baue ich wieder zurück und habe dann halt einen Spalt zwischen den beiden 170er Platten oder ich baue die Schalung komplett neu. Bei den einzelnen PLatten habe ich ja dann auch nicht das von David angesprochene Problem des Schüsselns. Vielen Dank für die Tipps von euch. Besser jetzt das ein oder andere nacharbeiten, als nachher die versaute Platte.

Hätte noch eine Frage wegen der Rückstände (Silikon) oder andere Verschmutzungen die zu Verfärbungen des Betons führen können. Ich werde die ganze Form nochmal mit Silikonentferner reinigen und dann neu abspritzen. Gibt es von euch Erfahrungen, welche Reinigungsmittel man auf jeden Fall vermeiden sollte. Ich habe in einigen Beiträgen auch gelesen, dass Spüli zu Verfärbungen im Beton führen kann. Habe da ein wenig Bammel, dass ich da was falsch machen könnte!

Hallo Christian,

am besten, Du lässt von vorn herein nicht allzu viele Substanzen an die Platte heran. Bei Silikonentferner hätte ich schon etwas Bedenken. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, nur MOLLYPUT und PLOPP Formtrennmittel zu verwenden. Als Glätthilfe beim Abzielen des Mollyput-Knetsilikons mit der Kittkugel verwende ich kein Spüli, sondern nur Isopropanol-Alkohol. Das funktioniert hervorragende und macht keine Flecken.

Sven
​​

Moin, beim Abziehen der 1. Verfugung habe schon ganz schön rumgesaut mit Silikon und Wasser/Spüli, sodass ich auf jeden Fall noch sauber machen muss. Dann werde ich das mit dem Alkohol säubern und dann mit der Glätthilfe versuchen ohne große Sauerei neu abzuziehen.
Bei den Stößen der beiden Platten, werde das “L” jetzt einzeln ausführen, wäre es vermutlich nicht so clever die Kanten mit Silikon abzurunden. Die Stöße sollten doch möglichist scharfkantig sein, um besser/unauffälliger aneinander zu passen? Oder normal ausfugen und dann nochmal in der Einbausituation verfugen, Ritze zwischen den beiden Platten muss ja eh abgedichtet werden!?
grüße

Hallo Christian,

erfahrungsgemäß ergibt sich bei solchen Stößen mit der Zeit immer ein gewisser Versatz, der dann besonders stark hervortritt, wenn die Kante sehr scharf ist. Deshalb wird es am Ende mit einem Radius sauberer aussehen als ohne.

Sven

Moin Sven, ok! Dann werde ich die Stöße ganz normal abspritzen und dann die Platten an den Stößen nochmal in der Einbausituation verfugen?! Ich werde die Platten in den nächsten Tagen in der Garage gießen. Habe da 2 Wandradiatoren und werde versuchen die Temperatur auf 15-20 Grad zu halten, zumindest für die ersten 24h. Hast du für die Nachgussphase noch Tipps für mich, also Temperatur, Abdeckung, etc. Gerade was die Abdeckung mit Folie nach dem Guss angeht, bin ich unsicher. Habe verschiedene Infos hierzu gefunden, teilweise soll die Folienabdeckung auch schaden?! Wäre für Aufklärung dankbar!!
LG Christian

Hallo Christian,

unerwünscht ist das Herabtropfen von Kondensatwasser, das sich an der Plastikfolie bildet, weil das Wasser dann zwischen Gussteil und Schalung laufen und Ausblühungen begünstigen kann. Deshalb sollte die Folie nicht länger als nötig drauf bleiben. Du brauchst sie ja vor allen, um dem Schüsseln vorzubeugen, weil Deine Platte halt so dünn ist. Hier musst Du jetzt abwägen zwischen Schüsseln und Ausblühungen . Je wärmer es ist, desto weniger stellt sich dieses Problem.

Sven

Würdest du bei 20 grad ne Folie auflegen? Muss ich ja nur für 24h halten, oder?

Du könntest ja einfach ein kleines Dach mit Folie unmittelbar über der Schalung bauen. Ich lege die Folie nie direkt auf den Beton, weil sich beim Entlüften des Mobydurs Luftkammern unmittelbar unter der Folie auf der Oberfläche bilden. Viel wichtiger dem Schüsseln entgegen zu treten ist der Wasserhaushalt. Weniger Wasser bedeutet schnelles durchtrocknen und weniger Schüsseln.
So richtig fließen beginnt mein Flowstone erst nachdem ich ihn mit meinen Handflächen auf der Schalung schlage, dadurch kommt Wasser nach oben und der Flowstone verdichtet sich dann von selber. Ist aber nur mit einem Zwangsmischer machbar.

Finde es heraus indem du vorher zum Beispiel Fensterbänke baust. Ohne Übung wird jede Platte hinterher nicht nur schlecht aussehen, sondern auch Probleme machen.
Ist hier im Forum sehr oft zu sehen, wenn die Leute mal eben schnell eine Betonarbeitsplatte bauen wollen. Geht immer nach hinten los.
Allgemein ist es kein Hexenwerk, man muss nur wissen was man tut. Und auch die Konsistenz des Betons merken und verinnerlichen, der dir gute Platten verschafft hat.

David

Hallo Christian,

ja, ich würde auch bei 20°C eine Folie zur Abdeckung verwenden, besonders wenn die Platte so dünn ist.

Sven

Moin Sven, ich dachte der Flowstone verdichtet sich von selbst und schlagen /klopfen wäre unnötig? Könntest du mir netterweise nochmal erklären, warum das Schüsseln durch eine Folie verhindert wird.

Am Ergebnis kann man sehen, daß es zulange gedauert hat, oder ein Tick Fliessmittel fehlt. Man sieht die Lufteinschlüsse beim Übergang der Schüttlagen und ein merkwürdiges Oberflächenbild.

Es bildet sich immer eine Haut auf der Oberfläche, wo ein ineinander laufen nicht mehr möglich ist. Deswegen muss das viel viel schneller gehen. Mit relaxen ist da nicht.

Hallo Christian,

das Schüsseln ergibt sich aus einer ungleichmäßigen Feuchtigkeitsverteilung in der Platte beim Abbinden. Wenn die Folie fehlt, ist die Platte oben trockener als unten, und das führt dann zum Schüsseln.

Sven