175qm mit Basil beschichten

Hallo Sven,

Nach ein wenig Recherche musste ich feststellen dass wegen dem schwindverhalten einer Bodenausgleichsmasse (da Estrich ausgeglichen werden muss) eine Epoxy Schicht mit Quarzsand als Haftbrücke hergestellt werden muss. Der Aufwand ist mir zu hoch. Deswegen würde ich den Boden komplett mit Basil herstellen (ca. 10mm, teilweise müssen aber auch 20mm ausgeglichen werden). Wir werden den Estrich (Calciumsulfat) abschleifen/anschleifen und mit sq tiefgrund grundieren. Wie lange sollte man den tiefgrund trocknen lassen bevor man mit Basil beginnt? Und wie lange sollte die Wartezeit sein, falls man mehrere Schichten tiefgrund auftragen will?

Danke schon mal im voraus

Klaus

Hallo Klaus,

mich würde unabhängig von der Frage zur Grundierung interessieren wie Du das Projekt angehst? Hochgerechnet anhand Deiner Angaben hast Du auf den 175 qm ja einen Materialbedarf von vermutlich irgendwas zwischen 2.000 und 4.000 kg Basil, also zwischen 40 und 80 Sack. Sind die 175 qm eine durchgehende Fläche oder teilt sich das in Räume, die Du ggfs. einzeln ausgleichst? Leihst Du Dir eine Sack-Mischpumpe? Triffst Du Vorkehrungen, um die “20 bis 45 Minuten” Topfzeit zu verlängern, oder geben der Mischer und der geplante Ablauf das so her? Ist Basil dann auch die Sichtfläche oder ist oben drauf noch ein Belag geplant? Wie sind die Stellen mit den benötigten 20 mm “verteilt”, macht es vielleicht Sinn ein paar Stellen vorab zu spachteln? Gleiche Frage zu den Erhebungen, kann man die gut ausmachen und ggfs. Schleifen/Fräsen, um die nötige Schichtdicke und damit ja auch Aufbauhöhe relevant zu verringern?

Neugierige Grüße
Martin :grinning_face:

Hi Martin,

du scheinst voll im Thema drin zu sein :wink: Versuche mal deine Fragen zu beantworten. Beginnen mal mit der Fläche:

  • Die Fläche unterteilt sich in 2 grosse Flächen. Ein Raum ist 80qm gross und der andere Bereich 95qm (diese teilen sich auf 5 Räume auf). Es liegt aktuell ein Kalzium Sulfat Estrich (wurde vor einem Jahr gegossen) mit Fussbodenheizung im Erdgeschoss. Leider hat der Estrich an vielen Stellen unterschiedliche Höhen, sodass ich erstmal gewisse Stellen auf ein bestimmtes Niveau runterschleifen muss. Ich versuche die benötigte Menge an Basil so gering wie möglich zu halten. Der Estrich der 80qm wird ca. 5mm höher sein, da ich nicht die komplette Fläche auf ein einheitliches Niveau runterschleifen möchte. Aber hier wird eh die Dehnungsfuge vom Estrich übernommen und später mit einer kleinen 5mm Schwelle gearbeitet. Ich denke das sollte so funktionieren?! Bei den restlichen Räumen übernehme ich auch die Dehnungsfugen vom Estrich,
  • Ich messe aktuell quadratmeterweise die aktuellen Estrichhöhen sodass ich mir dann die benötigte Menge Basil ausrechnen kann. Ich hoffe das funktioniert dann so wie ich mir das vorstelle
  • Ich habe einen Mischer mit dem ich 5 Sack auf einmal anmischen kann. Ausserdem habe ich 4 Leute an meiner Seite. 2 mischen an, 1 trägt die Eimer und 1-2 verteilen den Beton
  • Basil wird der finale Boden sein der dann noch mit einer PU beschichtung versehen wird.

Ich hoffe das beantwortet deine Fragen :wink:

Grüße

Klaus

Hallo Klaus,

der SQ-TIEFGRUND lösemittelfrei sollte jeweils einen Tag trocknen. Zwischen den BASIL-Schichten muss auch wieder Tiefgrund, wenn Du mehrere Schichten machst. Das würde ich auch empfehlen. Ich würde alles mit einer ersten Schicht so weit auffüllen, dass noch 5 bis 6 mm für die zweite Schicht übrig bleiben. Dann kannst Du bei der ersten Schicht schon mal üben, denn Fehlstellen spielen da noch keine Rolle. Man ist überrascht, was an unerwarteten Fehlstellen so alles auftreten kann. Beispiele: (1) Das Material läuft in irgendwelche Ritzen oder Löcher ab, die man übersehen hat, und es bilden sich trichterförmige Sickerstellen aus, (2) oder es steift an einer Stelle schon an, weil man nicht so schnell nachkommt, und wenn man dann zum Glätten nochmal darüberfährt, gibt es Wellen in der Oberfläche, (3) oder man verwendet zu Glätten vershentlich eine (nicht empfohlene!!) Stachelwalze und bekommt ein Punktmuster auf der Oberfläche, (4) oder die Grundierung mit Tiefgrund war nicht ausreichend satt, und deshalb bilden sich Poren in der Oberfläche durch aufsteigende Luftblasen aus dem Untergrund. Das soll nicht heißen, dass es immer nur Probleme gibt, aber wenn Du schon den Luxus hast, zwei Schichten zu gießen, dann nutze das, um mit der zweiten Schicht ein perfektes Ergenis zu bekommen. Die besagten 5 bis 6 mm sind das Optimum für ein gutes Verlaufen und eine glatte Oberfläche ohne Einschlüsse. Zwischen den beiden BASIL Schichten würde ich ein Woche warten.

Der Einwand von Martin relativiert sich damit auch, denn Du musst gar nicht so vie Masse auf einmal verarbeiten. Martin hat aber natürlich recht. Man sollte sich immer vorher fragen, wie man das alles schnell genug zubereitet und eingebaut bekommt. Der Portamix Mischer ist dabei schon sehr hilfreich, und Du kannst ihn Dir gern auch bei uns ausleihen, wenn Du willt. Es geht aber natürlich auch mit einem kräftigen Mörtelquirl und einem Mörtelkübel. Die größte Fläche, die ich bisher an einem Stück gemacht habe, waren 400 m². Dafür habe ich meine Putzmaschine verwendet, was nochmal eine ganz Ecke schneller und einfacher geht als der Portamix. Allerdings sollte man dann am Schlauchausgang noch ein statisches Mischrohr anbringen, um die Masse nochmal durchzumischen, bevor sie herauskommt. Ich hatte dafür damals ein extra Rohr gekauft, das innen mit vielen Querbolzen gespickt ist, so dass die Masse verwirbelt wird, wenn sie durchfließt. Es hat tatsächlich ganz gut funktioniert. Heute würde ich eher das statische Mischrohr von meinem SPUMAX nehmen, weil das besser geht und sich auch besser reinigen lässt. Das kann ich Dir auch gern ausleihen, wenn Du willst.

Sven

Hallo Klaus,

da gibt es hier andere die sehr viel tiefer im Thema sind, und dann gibt es noch Sven :grinning_face:

Deswegen hab ich auch nicht kluggeschissen .. sondern nur hinterfragt wie die Planung aussieht. Durch Schleifen/Fräasen und Spachteln läßt sich ja die benötigte Schichtdicke verringern, und wenn es bei Dir z.B. gelingt von den angedachten bis zu 20 mm auf 10 mm runterzukommen, spart das ja irgendwas > 5.000€ Material und vor allem auch ordentlich Aufwand, weil das bei sinniger Vorgehensweise 2 Arbeitsgänge (je 2x Grundieren, Anmischen, Ausbringen, Aushärten) weniger bedeutet.

Schon die von Sven vorgeschlagenen 5 mm Schichtdicke pro Auftrag bedeuten ja im Beispiel der 80 qm Fläche:
645 kg Basil → ca. 13 Säcke → 3 Mischerladungen

Pro Ladung und ohne Zwischenreinigung: 2 Minuten Befüllen → 3- 5 Minuten Mischen (dafür unbedingt den Portamix von Sven leihen, im Freifallmischer kommst Du damit nicht hin) → 1 Minute in Eimer leeren → 5 Minuten ausbringen → ergibt pro Ladung bei flüssigen Arbeitsabläufen (was bei Einsteigern eher selten der Fall ist) 11-13 Minuten pro Mische.

D.h. wenn Du mit der dritten Ladung ankommst, liegt die erste bereits min. 10 Minuten da, realistisch beim Nichtprofi sind das eher 20 oder mehr. An einem warmen Sommertag grenzwertig, an einem frischen Herbsttag machbar. Normalerweise müßte ja innerhalb des 80 qm Raum noch min. eine zusätzliche Dehnfuge vorhanden sein, Du machst aber vermutlich trotzdem die 80 qm in einem Rutsch?

Du stellst genau die richtigen Fragen bzw. triffst du genau die Punkte die mich aktuell beschäftigen. Das mit dem anmischen werde ich hinbekommen, habe 5 Leute mit dabei und auch einen geeigneten Mischer. Was mich mehr beschäftigt ist tatsächlich die benötigte Menge an basil. Nachdem der leider sehr uneben ist (bzw. das Niveau um bis 15mm variieren kann), versuche ich das ganze auf ein erträgliches Niveau zu bekommen. Ursprünglich wollte ich mit einer Bodenausgleichsmasse das ganze nivellieren. Habe mich aber dagegen entschieden, weil ich wegen der Haftung von Basil auf der Ausgleichsmasse Sorge hatte. Oder gibt es da noch eine andere Möglichkeit das ganze günstig zu nivellieren? Ich werde wahrscheinlich bei dem 80qm Raum eine Diagonale Dehnungsfuge einbringen. Auf der anderen seite hat der Estrich das auch nicht, sodass es wahrscheinlich wenig bringt. Wie ist da deine Erfahrung?

Hallo Sven,

Danke für deine Antwort und für die Möglichkeit Geräte von dir leihen zu können. Ich finde die Idee mit den 2 Schichten ziemlich gut. Gibt es auch eine Möglichkeit die erste Schicht (nivellieren des estrichs) mit einem günstigeren Material zu machen? Oder gibt es dann Probleme mit der Haftung des Basil?

Und noch eine andere Frage wegen dem anmischen. Sollte nach jeder charge (5säcke) der Mischbehälter sauber gemacht werden? Und was ist die richtige Geschwindigkeit des Rührwerks?

Hallo Klaus,

theoretisch kannst Du auch unten drunter eine billge Ausgleichsmasse verwenden, aber ich bin nicht sicher, ob ich das empfehlen würde. Diese Massen sind nicht schwindfrei, so wie BASIL. Das bedeutet, dass sie sich beim Abbinden verformen, reißen und sich von Untergrund ablösen können, also genau das, weshalb Du die Epoxi-Vorbehandlung bräuchtest. Ohne die hättest Du keinen garantiert tragfähigen Untergrund, und damit würde dann auch BASIL nicht funktionieren.

Das Rührwerk sollte so schnell laufen wie bei einem Mörtelquirl üblich, also mittelschnell würde ich sagen. Den Mischbehälter musst Du nicht jedes Mal reinigen. Erst zum Feierabend oder wenn Du eine Pause machen willst.

Sven

Hallo Klaus,

nochmal zu Deiner Dehnungsfuge: Das macht keinen Sinn, außer es gäbe eine Fuge im Untergrund, die Du übernehmen musst. Mach jeden Raum in einem Rutsch, sonst bekommst Du keine schönen Übergänge. 80 m² sind locker zu schaffen, wenn Du dafür sorgst, dass die Frontlinie so klein wie möglich bleibt. Also nicht gerade in der Mitte beginnen, sondern am Rand und gegenüber vom Ausgang.

Sven

dachte ich mir dass eine extra Fuge keinen Sinn macht. Wie sieht es bei den Tür Öffnungen aus? Beim Estrich sind bei jeder Türöffnung Fugen. Ich hätte die übernommen. Oder gibt es eine Möglichkeit einfach drüber zu gießen und hoffen dass es keine Risse gibt ?

Hallo Klaus,

Du könntest da schon einfach drübergießen, und schlimmstenfalls bekommst Du einen winzigen Riss, der nicht so auffällig ist wie die Fuge selbst. Allerdings ist man je nach Situation auch froh, wenn an der Tür ein Abschnitt endet und man dort auf ein definiertes Höhenniveau kommt. Dafür ist es dann besser, wenn Du auf die Fuge eine passende Messingschiene klebst, die später drin bleibt (Schlüterschiene).

Sven