wir tragen uns mit dem Gedanken unsere Küche mit einer Betonarbeitsplatte auszustatten. Nach Durchsicht der unterschiedlichen Materialien sowie der Forumsbeiträge haben sich nun einige Fragen ergeben.
Alle Arbeitsplatten sind recht groß (1x 380 x 64, 1x 322 x 64 und 1x 327 x 124 bzw. 69 hier fehlt eine Ecke). Optisch hätten wir gerne eine weiße, glatte (porenarme) und glänzende Oberfläche. Die Dicke sollte am besten rund 2 cm sein, aber 3 cm nicht übersteigen, sonst wird die Platte zu hoch für mich.
Soweit wir das ersehen konnten, kommen dafür als Material in Frage:
Flowstone, weiß,
das bereits fertig gemischte Moby Dur, Frage: Welcher Zuschlag ist in Moby Dur? Farbe und Körnung. Ist dieser für ein weißes, feinporiges Ergebnis geeignet ?
Wir hatten überlegt Metakaolin oder Microsilica, weiß für ein dichteres und festeres Ergebnis zu verwenden, hierfür wird Weißzement CEM I 2,5/R angegeben. Ist diese Mischung ebenso fließfähig wie Flowstone? Ist es “besser” geeignet ?
Dann wäre da noch die Leichtvariante GOGOLIT® DESIGN IIL. Im Forum Beitrag: Flowstone als Leichtbeton macht es den Anschein, als wäre er geeignet für eine Arbeitsplatte, beim Produkt im shop heißt es: eingesetzt für die Herstellung von kleineren Accessoires aus Beton…
Wäre denn eine Arbeitsplatte wie gewünscht auch mit diesem Material realisierbar? Natürlich mit einem Unterbau aus Multiplex oder ähnlichem?
Ich bin jetzt bewußt nicht auf Zusatzstoffe oder Bewehrung eingangen, das kommt natürlich alles mit rein. Nur zu
H10 Betonimprägnierung, gibt es eine Frage: hier heißt es im Shop: Dazu geben Sie beim Anmischen je nach Betonqualität eine Dosiermenge von 0,5% bis 1,5% bezogen auf die Betonmasse zum Frischbeton hinzu. Geht das für alle oben erwähnte Betonvarianten? Oder gibt es welche, bei denen die Zugabe zur Frischmasse nicht empehlenswert ist ? Kann die Platte dann noch mit LFC und H10 Endbehandelt werden?
Wir sind etwas überfordert mit der Frage mit welcher Rezeptur wir unserer Vorstellung am nächsten kommen. Wir würde diesen Prozess gerne zeitlich etwas verkürzen und nicht alle Varianten testen, sondern nur von der am besten geeigneten die Tests machen, da uns sonst etwas die Zeit ausgeht.
Für die Schalung hatten wir uns beschichtete Spanplatten gedacht. Benötigen die zusätzlich zur vorhandenen Beschichtung noch ein Formtrennmittel? Wenn ja, würde Vaseline oder Öl als Trennmittel die Oberfläche für eine spätere Verkieselung ungeeignet machen ?
Wir freuen uns über jeden Hinweis oder auch über alternative Vorschläge, falls wir in der Fülle der Information Sachen übersehen haben. Wie man sieht haben wir noch einiges zu lernen
eine Arbeitsplatte aus Flowstone/Mobydur wäre Ideal, nur leider nicht in 3cm und auch nicht bei der Spannweite von fast 4m. Hier bräuchtest du mindestens 4cm. Zumindestens hättest du dann ein schönes dichtes Gefüge .Die Körnung im Mobydur ist ein farbiges Kiesgemisch aber die Oberfläche wird weiß. Die Körnung spielt hier nur eine Rolle wenn du ihn schleifen würdest. Wenn du das vielleicht in Erwägung ziehst, gibt es Flowstone weiß und weiße Körnung. Nach dem Schleifen und Polieren mit Diamantpads hättest du eine glänzende, einigermaßen weiße Oberfläche mit weißer Körnung. Hier bräuchtest du auch Fließmittel und gegebenfalls Schwindreduzierer. Das Anmischen ist sehr schwierig, also wäre auch ein Zwangsmischer von Vorteil.
Als Trennmittel kannst du Plopp verwenden. Einfach auftragen und wieder trocken wischen.
Bei drei Arbeitsplatten würde ich vorher auf jeden Fall Testplatten anfertigen, die Vorstellung und das Ergebniss liegen manchmal weit auseinander.
Auch Fehler bei der Herstellung können so erkannt und behoben werden.
Nach dem Beitrag: "Körnung 0-4 für Flowstone weiß" scheint es, als hätten unsere Vorstellungen gewissen parallelen. Wie ist den der Versuch bzw. das Ergebnis geworden? Jetzt beim nachlesen haben ich erst gesehen, dass hier nochmals ein anderer Zement verwendet wird, CEM-FLUP® 42. Der würde ja für uns auch passen…
4 cm Dicke geht leider nicht. Ich kann leider keine 2 weitere cm wachsen und die Küchenkorpusse wurden bereits auf das möglichste runter gesetzt. Woran liegt es denn dass die Platte mind. 4 cm haben soll? Die Platte sitzt ja direkt auf den Korpussen auf, zur Not könnte man oben eine vollflächige Auflage aus Multiplex schaffen. Oder gibt es dafür andere Gründe? Dann würden wir schauen, dass wir dafür eine Lösung finden, evtl. mit einer besseren Bewehrung, anderer Handhabung etc., je nach Grund für die angestrebten 4 cm.
Ok Mobydur scheint wegzufallen, wir wollen zwar nur schleifen, wenn es notwendig ist, aber das weiß man ja vorher nicht. Dafür kommt nun CEM-FLUP® 42 mit zur Auswahl. Flowstone weiß, CEM I 2,5/R mit Metakaolin oder Microsilica, oder die Leichtbau Variante mit GOGOLIT® DESIGN IIL. Kann noch jemand weiterhelfen? Evtl. eignen sich ja auch alle haben aber gewisse Vor- und Nachteile ?..
Und wie sieht es mit der Zugabe von H10 zu Mischung aus?
Tests werden wir auf jeden Fall vorher machen und selbstverständlich auch die benötigten Zusatzmittel mit reinmischen.
würdest du deine Arbeitsplatte bei Mobydur auf nur 2cm bei fast 4m Länge reduzieren, hätte das eine Schüsselung zur Folge, sie würde sich wölben. Und wahrscheinlich auch einfach durchbrechen beim Versuch diese einzubauen. Bei Weißzement wäre das wahrscheinlich dasselbe.
Wenn du dich für Gogolit entscheidest wäre dieser aber grau und nicht weiß.
Wie das CEM-FLUP® 42 ( weiß) als Flowstone Alternative aussieht kann Sven dir sagen, den habe ich selber noch nicht ausprobiert.
Ich gehe davon aus, dass sich das Problem mit den 2cm nur mit einem Unterbau von 1- 1,5cm + Beton zum Beispiel Plan B usw. lösen läst. Vielleicht passt ja auch CEM-FLUP® 42 dazu.
vielen Dank, dass hilft schon etwas weiter, die Schüsselung ist also das Problem. Mmh gibt es evtl. eine Möglichkeit mehrere Platten so zusammen zu setzen, dass der Übergang so gut wie unsichtbar wird?
Plan B habe ich gerade durchgelesen, auch der scheint in Frage zu kommen, außer dass er grau ist. Hört sich für mich wie Ausgleichsmasse an.
Wenn dem grauen Gogolit bzw. Plan B ein Weißpigment zugesetzt wird, gibt das dann Weiß oder nur ein helleres grau?
Es gibt hier verschiedene Optionen, die ich mal kurz aufdröseln will:
Option 1 wäre eine massiv in eine Form gegossene Platte, die nach dem Guss entformt, gewendet und dann mit der schönen Seite nach oben (das ist beim Guss die Unterseite) eingebaut wird. So eine Platte sollte nicht weniger als 3 cm dick sein, besser 4 cm, weil man sonst Probleme mit dem sogenannten Schüsseln bekommt, zu dem es hier im Forum schon zahlreiche Beiträge gibt. Außerdem kann ein abgestellter heißer Topf eine dünne Platte leichter durch Wärmespannungen zum Reißen bringen als eine dicke Platte. Deshalb sind 4 cm die Empfehlung. Als Beton kann man dafür eine Mischung auf Basis von Flowstone (also: Flowstone + Sand + Fließmittel) oder die Fertigmischung Moby Dur nehmen. Beides gibt es in weiß oder in grau. Beides ist sehr anspruchsvoll, was den Mischer angeht. Man sollte dafür am besten einen Zwangsmischer haben. Eine Alternative, die leichter zu mischen ist und nur unwesentlich weniger Festigkeit bringt, wäre eine Mischung auf Basis von CEM-Flup (also: CEM-Flup + Sand). Das gibt es ebenfalls in grau oder in weiß. Von einer eigenen Rezeptur unter Verwendung von Microsilica oder Metakaolin würde ich hier abraten. Das ist etwas für Leute, die in Serie produzieren und sich dafür in umfangreichen Vorversuchen eigene spezielle Rezepte erarbeiten wollen. Eine Leichtbetonmischung würde ich für eine Küchenarbeitsplatte auch nicht empfehlen, weil sie für den täglichen Betrieb als Nutzfläche nicht ausreichend dicht und robust ist. Wenn überhaupt, dann käme auch nicht GOGOLIT® DESIGN II sondern nur GOGOLIT® Industrial in Frage, denn GOGOLIT® DESIGN wird für so eine große Arbeit viel zu schnell fest. Das ist etwas für kleinere Gegenstände. Außerdem ist GOGOLIT grau und auch durch Zugabe von Pigmenten nicht ganz weiß zu bekommen. Wenn Du also wie oben beschrieben mit (a) Dyckerhoff FLOWSTONE® weiß + Sand + FLUP® - PCE-343 Fließmittel flüssig oder mit (b) CEM-FLUP®-42 Fließzement weiß + Sand oder mit (c) MOBY DUR® weiß eine massiv in die Form gegossene Platte herstellst, dann bekommst Du eine weiße, glatte (porenarme) Oberfläche, wie gewünscht. Wenn Deine Gussform außerdem auch noch spiegelgatt ist (z.B. aus Glasplatten bestehend), dann wird die Oberfläche auch glänzend, wie gewünscht. Allerdings ist das eher etwas für Leute mit viel Erfahrung. Üblicherweise ist es am ehesten zu empfehlen, die Gussform aus resopalbeschichteten Spanplatten zu machen, die dann eine Matte Oberfläche ergeben.
Option 2 wäre, eine vorhandene Platte aus Holz oder ähnlichem dünn (mindestens 5 bis 10 mm) mit Beton zu beschichten. Dafür könntest Du BASIL® Bodenbeton hellgrau (hier das Anwendungsdatenblatt) oder Plan B Industrieboden (hier das Anwendungsdatenblatt) nehmen. Beides ist allerdings nicht weiß sondern grau. Wegen der höheren Festigkeit würde ich für eine Arbeitsplatte auf jeden Fall Plan B bevorzugen. Bei Holzuntergründen sollte zwei Tage zuvor eine dünne Spachtelung aus KLEMO® Marmorkleber aufgetragen werden, in die ein Panzergewebe eingelegt wird. Daraus ergibt sich eine gute Anbindung an den Untergrund. Eine glänzende Oberfläche erzielt man mit dieser Lösung nicht. Die Oberfläche ist hier vergleichsweise rau, weil ja der Beton nicht wie oben in Option 1 nach dem Guss gewendet wird.
Option 3 wäre eine Spachtelung mit MARFINO® CONCRETE SURFACE Microzement, der wie gewünscht weiß ist. Der Untergrund dafür könnte, wie in Option 2 beschrieben, eine Holzplatte sein, mit einer dünnen Spachtelung aus KLEMO ® Marmorkleber und eingelegtem Panzergewebe. Da bei dieser Lösung die Betonschicht aus KLEMO und MARFINO insgesamt nur wenige mm dick ist, bekäme so eine Fläche natürlich schnell Macken im Gebrauch als Arbeitsplatte. Dem könnte man entgegenwirken, indem man zuerst auf die mit KLEMO vorbereitete Holzplatte eine sagen wir 2 cm dicke Schicht PLAN B gießt und die dann mit MARFINO beschichtet. Die MARFINO - Schicht wird am Ende noch geschliffen (das geht auch von Hand) und mit drei Anstrichen LFC Betonverkieselung behandelt, um sie zu härten. Damit wären dann die Härte und Dichtigkeit natürlich noch nicht so wie mit MOBY DUR, aber es wäre brauchbar. Glänzend wäre es ebenfalls nicht, sondern matt. Dafür aber weiß.
Als Endbehandlung würde ich dann nach der LFC Betonverkieselung auch noch einen Anstrich mit H10 Betonimprägnierung empfehlen. H10 als Massenhydrophobierung in den Frischbeton zu mischen, würde ich dagegen für dieses Projekt nicht empfehlen.
einen ganz herzlichen Dank für die Mühe dieser sehr ausführlichen Erklärung und Aufdröselung der vielen Fragen. Es macht die Entscheidung zwar nicht unbedingt einfacher, aber wir können sie jetzt aufgrund von Fakten treffen und nicht aus dem hohlen Bauch raus. Wir werden jetzt mal diskutieren, welchen Weg wir gehen wollen.