Schuhabsätze aus Beton

Hallo Sven,

ich studiere Integriertes Design an der HfK Hochschule für Künste in Bremen. Zu meinem Abschluss mache ich eine Modekollektion und würde gerne Schuhabsätze und andere Accessoires aus Beton gießen. Ich habe keine Vorbildung in der Thematik Beton und einfach angefangen auszuprobieren. Die ersten beiden Prototypen sind fertig. Ich habe sie einfach mit Zementmörtel aus dem Baumarkt gegossen. Für die Rollen der Rollschuhe habe ich Silikonformen benutzt, für die Absätze Formen die ich aus dicker Pappe gebaut habe. Die grobe Oberflächenstruktur gefällt mir eigentlich sehr gut. Der Absatz des Rollschuhs ist mir allerdings leider beim Anschrauben auf die Matallschiene der Rollen schon durchgebrochen (Die Fotos sind bloß recht geschickt gemacht, dass man das nicht so sieht…)

Hast du vielleicht einen Tipp welche Betonrezeptur für die Absätze geeignet wäre? Muss ich vielleicht irgendeine Trägerkonstruktion mit eingießen?
Da die Inspirtation zu meiner Kollektion Disco ist, bin ich natürlich auch sehr interessiert an Beton der glitzert oder schimmert.

Ein weiteres Problem ist, dass ich noch nicht ganz weiß, wie ich die Absätze letztendlich mit den Schuhen verschraube. Gibt es dazu vielleicht spontane Ideen?

Über Tipps und Tricks und spontane Einfälle, die es zu diesem Projekt gibt, würde ich mich sehr freuen!
Danke!

Livia

1576.jpg

1577.jpg

1578.jpg

Hallo Livia,

das ist ja mal sehr originell. :slight_smile: So fühlen sich meine Schuhe nach der Arbeit auch immer an und da ist gerade mal eine Stahlkappe drin. Es ist auf jedenfall eine super Idee und ist auf jedenfall was für Betonfetischisten;).
Wenn es ein bisschen hochwertiger aussieht und du auch eine Menge Glitzer mit einmischst, sollte es auch schon besser werden. Ich würde den Schuh selber auch ein wenig an die Absätze anpassen, so sieht es doch zu sehr danach aus als wärst du durch ein Fundament gelaufen und dir klebt noch der Beton an der Sohle.

An der Umsetzung und der Verbindung vom Schuh zur Sohle bin ich gerade auch ganz schön am grübeln. Würde man es mit Harz verkleben, bleibt am Ende wahrscheinlich nichts mehr vom Schuh übrig. Würdest du eine Verbindung einbetonieren, so gibt es Probleme mit dem Beton.
Da bleibt nur Bohren und einen speziellen Spreizdübel einsetzen. Im Inneren des Dübels befindet sich eine Kugel, die den Dübel nach außen spreizt und dieser so auch sehr fest verankert ist.Jetzt kannst du mit einer Bolzenschraube den Schuh zum Absatz verbinden. Das Innere deines Schuhs muss natürlich dafür verstärkt werden. Sehe dir am besten nochmal Fahrradschuhe an, die sind so gebaut sind, dass man unter die Sohle eine Befestigung schrauben kann.
Jetzt brauchst du nur noch einen Beton, der diese Strapazen mitmacht.

Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei deiner Designschule.

Hallo Livia,

ich stelle mir gerade die mit Sicherheit nicht jugendfreien Kommentare meines Orthopäden zu deinen Schuhen vor ;). Aber auch wenn sie nicht für jeden und für längere Zeit tragbar sein sollten, so sind sie auf jeden Fall originell und ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Abschluss! Zu der technischen Umsetzung kann ich leider keinen konstruktiven Beitrag leisten, aber welche weiteren Accessoires willst du aus Beton gießen? Vielleicht kann ich da eher einsteigen :slight_smile:

Hallo Livia,

Beton ist für diese Anwendung leider komplett ungeeignet, aber gerade das macht Deinen Ansatz auch neuartig, und so dürfte Dir zumindest die Aufmerksamkeit des Publikums mit Deiner Kollektion sicher sein. Wenn es also in erster Lilie darum geht, mit Kunst zu provozieren, dann bleib dabei, aber nimm anstelle von Baumarktbeton z.B. den VITO® PIANO Feinbeton grau oder den TURBO 20 Vergussmörtel schnell grau. Falls Dir die Oberflächen damit zu perfekt werden, kannst Du etwas WISKO Typ A hinzumischen. Dann verschlechtert sich die Fließfähigkeit, was zu einer Oberfläche mit mehr Lufteinschlüssen führt. Die Festigkeit ist aber auf jeden Fall so gut, dass Dir die Stücke nicht mehr gleich zerbröseln werden.

Da Du schreibst, dass es Deine Abschlussarbeit ist, Du also Deine Ausbildung somit schon hinter Dir hast, kann ich mir vorstellen, dass Deine Lehrer oder Prüfer bei der Begutachtung auch nach dem Aspekt der Materialgerechtigkeit fragen werden, und dafür solltest Du Dir schon mal einen guten Text zurechtlegen. Beton ist ein sprödes und stoßempfindliches Material, das sich so gut wie nicht elastisch verformt, also ungefähr das Gegenteil von dem, was man - nach Ermittlung aller technischen Anforderungen - für eine Schuhsohle oder die Laufrolle eines Rollschuhs nehmen würde. Wenn Du mal längere Zeit mit den Schuhen gelaufen bist, dann wirst Du feststellen, dass sie sehr unbequem sind, weil sich die Sohle nicht verformt, und dass man damit leicht ausrutscht. Die Rollen der Rollschuhe werden ebenfalls wegrutschen und aufgrund von Stößen und Abrieb auch nicht lange durchhalten.

Was die Verbindung des Betons mit dem elastischen Teil des Schuhs angeht, so wäre wahrscheinlich Kleben das Beste, z.B. mit einem restelastischen Epoxidharzkleber oder einem Polyurethankleber. Die Verwendung von Spreizdübeln würde ich Dir auf gar keinen Fall empfehlen, da sie beim Festziehen zur Sprengung Deiner Betonstücke führen würden. Das ist nur etwas für eine massive Wand oder einen Boden aus Beton, die in der Lage ist, den nötigen Gegendruck aufzubauen.

Sven

Hallo in die Runde!
Vielen Dank für die schnellen Antworten und Tipps!
Genau, es geht auch darum zu provozieren und zum Nachedenken anzuregen. Da ich an einer Kunsthochschule bin, werden die Schuhe eher künstlerische Objekte und sind nicht für den alltäglichen Gebrauch gedacht.

Hallo Livia,

auch wenn deine Schuhe nur als Kunstobjekte gedacht sind, lohnt es sich trotzdem das Maximum an Design herrauszuholen. Ob es am Ende wirklich funktioniert wäre ja ersteinmal nebensächlich und somit auch eine Provokation.
Auch die Überlegung was genau man vermitteln möchte, wäre auch wichtig.Würde ich diesen Schuh entwickeln, so würde dieser auch wie ein funtionierender Schuh aussehen und nicht nicht so als wäre man durch ein Betonfundament gelaufen und der Beton wäre an der Sohle kleben geblieben. Entscheidend ist das Gesamtbild, wie die Materialien miteinander harmonisieren.
Die Zitronnenpresse von Philippe Starck funtioniert auch nicht wirklich, wurde aber in ihrer Gestaltung perfekt ausgearbeitet und hat natürlich für viel Aufsehen gesorgt.Hier wurde natürlich nur ein Material verwendet.

Ich denke, hier kann man noch viel mehr rausholen. Macht natürlich auch mehr Arbeit.:rolleyes: