Küchenarbeitsplatte

Guten Abend,

ich bin gerade am Schalungsbau für mehrere Betonarbeitsplatten in meiner Küche.
Geplant ist die Platten mit Moby Dur optisch in einer Dicke von 6 cm herzustellen, sie aber an den Unterseiten großflächig mit eingelegten Styrodurplatten auf 3 cm zu verdünnen (Gewichts und Materialreduktion). Ich habe eine Beispielplatte als Beispiel beigefügt (Grün = Schalung, Grau = Beton, Gelb = Styrodur).

Folgende Produkte habe ich hierfür ins Auge gefasst:

  • Moby Dur grau + etwas schwarzes Pigment
  • evtl. Molly Put zum versiegeln der Schalung
  • Typ 1111 Carbontextil
  • Fieberbasaltstäbe für die Stegbewehrung

Hierzu hätte ich noch ein paar Fragen:

  • Ist die geplante Reduzierung der Plattendicke auf 3 cm mit Moby Dur noch problemlos möglich oder sollte ich lieber auf 4 cm gehen?
  • Ich würde die Kanten gerne mit einer 45° Fase (Breite 4 oder 5 mm) ausbilden. Hierfür gibt es im Handel Silikonabziehhilfen. Ist das mit Molly Put ebenso gut machbar wie mit einer Kittkugel oder habt Ihr andere Tipps wie man das gut hinbekommen kann?
  • Entlüftet Moby Dur schon von sich aus ausreichend oder sollte man noch nachrütteln oder einen Entschäumer (z.B. X33) beimischen um möglichst wenig Lufteinschlüsse zu erhalten?
  • In welcher Ebene macht das Carbon-Textil am meisten Sinn? Aktuell ist mein Plan die Schalung erst auf 1,5 cm zu füllen, dann das Textil einzulegen, dann die nächten 1,5 cm aufzufüllen, dann die Styrodurplatten zur Gewichtsreduktion zu positionieren und mit Latten seitlich an der Schalung zu befestigen damit sie nicht aufschwimmen und zuletzt die verbleibenden 3 cm an den Rändern aufzufüllen.
  • Bei den Ausschnitten für Kochfeld und Spüle habe ich Stege von 6 x 6 cm die maximal über 79 cm spannen (Kochfeld) . Reicht hier ein 8 mm Fieberbasaltstab als bewehrung oder sollte ich da noch mehr rein packen?
  • In einigen Bereichen habe ich bei den Ausschnitten sichtbare Kanten (z.B. Ausschnitt Spülbecken - hier wird ein Edelstahlbecken unter der Platte montiert). Gibt es Tips, wie ich diese sichtbaren Kanten mit einer Styrodur-Schalung Baby-Popo-glatt bekomme? Bisher habe ich an tapen mit glattem Paketklebeband oder “lackieren” mit Epoxi gedacht.
  • Auf der Suche nach einer Eierlegenden-Wollmilchsau-Versiegelung bin ich auf die Produkte ICT-Protect und Omega Sealer aus Amerika gestoßen. Insbesondere der ICT Sealer hört sich für mich sehr interessant an. Hat hier evtl. schon jemand Erfahrungen damit gemacht und kann mir davon berichten?

Liebe Grüße,
Leon

2988.jpg

Eine Frage habe ich noch vergessen: Bis zu welchen Temperaturen lässt sich Moby Dur noch gut verarbeiten? Langsam wird es ja kälter und ich hatte vor die Platten in einem überdachten Außenraum zu betonieren… :slight_smile:

Hallo Leon,

der Plan mit den 3 cm Plattendicke innen ist machbar. Mit MOLLYPUT und der Kittkugel kannst Du nur Rundungen formen, keine Fasen. Wenn es eine Fase sein soll, dann nimmst Du besser “normales”, aber säurefreies Silikon. MOBY DUR® entlüftet von allein. Ein Entschäumer ist schon darin enthalten. In den Innenkanten der Gussform hängen sich beim Guss manchmal trotzdem Luftbläschen fest, welche Du aber leicht loswerden kannst, indem Du sie mit einem weichen Schaber wegstreichst, sobald die Form halb mit Beton gefüllt ist. Das Carbontextil würde ich direkt unterhalb der Styroporplatte platzieren. Styropor ist übrigens besser als Styrodur, weil es der Schwindung des Betons besser nachgibt. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass Radialrisse in den Ecken der Aussparung auftreten. Ein Fiberbasaltstab 8 mm pro Steg ist für Deine Platte ausreichend. Zwei wären besser. Die Glättung der Innenschalung aus Styropor ist tatsächlich eine große Herausforderung, für die ich keine erprobte Lösung habe. Bei meiner letzten Arbeitsplatte habe ich deshalb gleich den ganzen Verdränger komplett aus Silikon gemacht. Vielleicht versuchst Du es mal mit dem Aufkleben von selbstklebendem Silikonschaumband. Was die Endbehandlung angeht, gibt es durchaus Anbieter, die besonders talentierte Werbetexter beschäftigen und deren Produkte sich dann besonders vielversprechend anhören. Im Endeffekt kommt es aber auf den Wirkstoff an, der in dem Produkt enthalten ist, und an dem sollte man sich orientieren. Wenn der Anbieter seinen Wirkstoff nicht klar benennt, wäre ich vorsichtig. Bei Temperaturen unter 5°C sollte man nicht mehr betonieren. Wenn Du schöne Oberflächen haben willst, dann mach es besser bei 20°C.

Sven

Hallo Sven,

vielen Dank für die Tipps!
Das Material ist bereits angekommen und die Schalung weitestgehend fertig :slight_smile:

Ich habe noch eine Frage zur Lage der Bewehrung: Habe ich das richtig verstanden, dass du das Textil auf Höhe von etwa 3 cm (also mittig in die Platte einlegen würdest? Dann würde das Textil im Bereich der ausgesparten Unterseiten sehr nah an den unteren Deckflächen liegen. Wieviel Betonüberdeckung ist hier sinnvoll?

Grüße,
Leon

Hallo Leon,

da es sich um eine Bewehrung handelt, die nicht rosten kann, brauchst Du keine Mindestüberdeckung einzuhalten.

Sven

Hallöchen,

ich habe die Platten letztes Wochenende gegossen und ausgeschalt.
Bis auf ein paar Ausblühungen bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Die Ausblühungen möchte ich mit Schleifen / Polieren in den Griff bekommen.
Dazu habe ich testweise eine kleine Fläche mit Nass-Diamantpads für den Winkelschleifer (Körnung 400/800/1500) bearbeitet. Die Ausblühungen gehen damit sehr gut weg, jedoch hinterlassen die Pads natürlich kreisende Schleifspuren in der Oberfläche. Gibt es hier Tipps, wie ich die Spuren vermeiden kann ohne bis Körnung 6000 hoch zu schleifen? Spiegeln will ich mich eigentlich nicht in der Oberfläche :wink:
Habe überlegt die Pads auf meinen Extenterschleifer zu montieren, damit sollten sich zumindest ein Großteil der Spuren vermeiden lassen. Gibt es hier evtl. noch andere Wege die ans Ziel führen?

Beim Schleifen habe ich stellenweise winzige Luftlöcher in der Oberfläche geöffnet, die vorher vom Beton verschlossen waren. Diese möchte ich gerne ausspachteln. Ich habe alle leeren Säcke Moby Dur ausgeschüttelt und die so zusammengekratzen Reste gesiebt um daraus dann eine Spachtelmasse anzumischen. Wenn die Menge nicht ausreichen sollte: gibt es alternative Spachtelmassen die hierfür zu empfehlen wären?

Außerdem habe ich im Bereich der Spüle eine schräge Ebene geschalt, die zum Becken hin abfällt. Die Schalung in diesem Bereich habe ich aus MDF-Platten hergestellt, welche ich verspachtelt, geschliffen und mit Epoxi beschichtet habe. Beim Ausschalen sind Teile des Epoxis am Beton haften geblieben. Kann ich diese mit Isopropanol oder Aceton entfernen ohne dass es Einfluss auf den Beton hat?

Zu Guterletzt wäre da noch die Endbehandlung/Beschichtung:
Diese Thema beschäftigt mich schon seit über einem Jahr und ich bin mir immer noch unsicher was die Wahl der Beschichtung angeht.
Ich möchte eine matte Beschichtung die den gängigen Flüssigkeiten in einer Küche (Wasser, Fruchtsäuren, Farbigen Säften, Öl etc.) widersteht und möglichst die Farbe und die Oberflächenstruktur des Betons nicht verändert. Die Eierlegendewollmilchsau eben :smiley:
Im Forum habe ich jetzt schon sehr oft die Kombination von LFC und H10 gelesen, jedoch macht mich der Test von GreyElement in dem er die verschiedenen Beschichtungen testet sehr skeptisch.
Das Beton-Öl von Osmo schneidet in dem Test ja ziemlich gut ab, jedoch habe ich in einigen anderen Quellen gelesen, dass es ansich eine gute Beton-Möbel-Beschichtung ist, jedoch in der Küche auch an seine Grenzen stößt.
Aktuell bin ich an dem Punkt angekommen, dass die sicherste Lösung wohl ein schichtbildendes Mittel sein sollte, das verhindert, dass die Flüssigkeiten überhaut bis zum Beton vordringen. Hier im Shop wäre das wahrscheinlich Stra-Top matt. Das schneidet im Test von GreyElement ja auch nicht ganz so prickelnd ab, jedoch vermute ich (wie er ja auch sagt), dass das eher an dem doch sehr pohrigen Teststücken liegt und weniger am Mittel selbst.
Mein Plan wäre es nun die Platten zuerst mit LFC zu verkieseln und anschließend mit einer Schicht Stra-Top zu versiegeln.
Gibt es hier etwas zu beachten? Wären mehrere Schichten mit Zwischenschliff sinnvoller? Muss die Beschichtung in gewissen intervallen erneut augetragen werden? Wie lange sollte man zwischen Verkieselung und Beschichtung warten?

Grüße,
Leon

Hier noch ein paar Bilder der bisherigen Ergebnisse.

​
An dieser Platte sieht man die Ausblühungen am stärksten.

​
So sieht es nach den ersten Schleifversuchen aus.

IMG_76501.jpg

MANG49621.jpg

BDUF65571.jpg

IMG_75951.jpg

Hallo Leon.

Ich kenne das Problem mit den Kreisspuren mit den Diamantpads. Wenn man diese erstmal hat, ist man gezwungen noch mehr runter zu schleifen. In der Regel passiert dieses Phänomen bei billigen neuen Pads und beim Trockenschliff. Wenn die billigen Pads öfters gebraucht wurden lässt diese Kratzerei nach. Ist natürlich nicht Sinn und Zweck der Sache. Umgehen kann man dieses Problem mit Nassschleif Pads.
Weil aber mit der Nassschleifmaschine eine riesen Sauerei mit Wasser verursacht wird, mußt du schauen wie du es lösen kannst.
Vielleicht hast du ja einen Platz wo du es so machen könntest.
Ansonsten muss ich sagen, dass die Qualität der Trocken Diamantpads echt nachgelassen hat, weshalb ich nur noch nass schleife.

Ich hoffe deine Kratzer sitzen nicht zu tief, ansonsten wird es eine Terazzooberfläche.

Wenn du Feinschleifst könntest du zwischen den Arbeitsgängen mehrmals verkieseln bis keine Flüssigkeit mehr aufgenommen wird, dann ist es schon sehr dicht. Das schleifen am nächsten Tag nach dem verkieseln entfernt überschüssiges von der Oberfläche und öffnet die Poren für neue Flüssigkeit. Nach mehrmaligem Auftragen und Feinschliff bis 6000 ist die Oberfläche so dicht das kein Wasser mehr eindringen kann. Es fängt allerdings extrem an zu glänzen, sofern das erwünscht ist. Danach kannst du Imprägnieren mit H10. Oberflächen Versiegelung wäre bei einer Küchenarbeitsplatte nicht so optimal.

Grüße David.

Hallo,

ich habe ja nass geschliffen. Die Kreisspuren konnte ich zum Glück relativ einfach mit der Hand nass rausschleifen. Das Problem ist also gelöst.

Da ich eine möglichst matte Oberfläche haben möchte, wäre das mehrfache Verkieseln und auf Hochglanz schleifen eigentlich genau das Gegenteil von dem was ich will :wink: Was spricht denn gegen eine Beschichtung mit Stra-Top?

Zu meinen anderen Fragen:
Hat jemand Material-Tipps für das Verspachteln der kleinen Luftlöcher?

Und hat jemand Erfahrung mit reinigen von Moby Dur mit Isopropanol? =)

Grüße, Leon

Hallo Leon,

eigene Erfahrung damit habe ich zwar nicht, aber Du könntest es ja einfach mal mit dem Isopropanol versuchen. Wenn Du die Oberfläche ohnehin schleifst, kannst Du Flecken, die möglicherweise entstehen, ja auch wieder beseitigen. Da die Epoxidharzreste, um die es hier geht, Teil der Schalung somit und beim Betonguss schon erhärtet waren, sollten sie sich eigentlich auch gut rein mechanisch entfernen (=abkratzen) lassen.

Zum Zuspachteln der Mini-Löcher kannst Du im einfachsten Fall eine 1:1 Mischung aus Zement und Gesteinsmehl oder auch eine Fertigmischung wie MARFINO® PAINT Marmor-Zementfarbe (mit wenig Wasser) oder MARFINO® CONCRETE SURFACE Microzement nehmen. Die gespachtelten Stellen müssen dann auch verkieselt werden.

Zu dem Thema Oberfläche hier noch einmal mein Standardtext, aus dem hervorgeht, dass ich die STRA-TOP Betonversiegelung für diese Anwendung nicht unbedingt nehmen würde:

Die perfekte Oberflächenbehandlung für Beton (unsichtbar und dabei mit 100%igem Fleckenschutz) ist leider noch nicht erfunden. Von einer Beschichtung (Acryl, Epoxid, Polyurethan) ist bei glatten Flächen abzuraten, weil sie mit der Zeit verkratzt und dabei unansehnlich wird. Es besteht die Gefahr, dass durch die Kratzer hindurch die Beschichtung von Wasser oder Fett unterlaufen wird. Eine Endbehandlung auf Ölbasis wäre nicht für den Gebrauch im Dauernassbereich geeignet. Wachs ist auch nicht für den Dauernassbereich geeignet, und es könnte durch Hitze schmelzen und Verfärbungen verursachen. Daher kommen nur eine Verkieselung und/oder eine Imprägnierung in Frage. Man sollte sich generell nur für Beton entscheiden, wenn man es dem Material zugesteht, mit der Zeit eine gewisse Patina anzunehmen. Fettflecken verschwinden glücklicherweise größtenteils von allein wieder, weil sie mit der Zeit in die tieferen Schichten des Betons abwandern.

Meine Empfehlung für die Oberfläche einer Küchenarbeitsplatte wäre eine Behandlung mit LFC Betonverkieselung (Achtung: nur so viel auftragen, wie innerhalb weniger Minuten einzieht und keine Pfützen stehen lassen) und darüber nach einem Tag eine weitere Behandlung mit H10 Betonimprägnierung. In der Vergleichtabelle Endbehandlungen für Beton sind alle unsere Oberflächenprodukte gegenübergestellt.

Sven

Guten Morgen Sven,

Frohe Weihnachten!

Ich habe die Platten nun verkieselt und mit H10 behandelt (LFC mit Schaumstoffrolle so lange eingerollt, bis auf der Oberfläche keine Rückstände mehr zu sehen waren, zwei Tage ruhen lassen und dann H10 ebenfalls mit Schaumstoffrolle aufgetragen).
Ein wirklicher Abperleffekt lässt sich jedoch nicht feststellen. Der Beton wird an den Stellen, an denen ich ihn mit Wasser benetze direkt dunkler, nimmt also noch Flüssigkeit auf. Ist das normal oder sollte das Wasser nicht eigentlich abperlen?
Kann ich die Schutzwirkung durch mehrfaches Auftragen von H10 verstärken?

Gruß, Leon

Hallo Leon,

einen ausgeprägten Abperleffekt kannst Du mit diesem beiden Produkten nicht erzielen. Das ist normal. Eine weitere Anwendung würde in dieser Hinsicht also nichts bringen.

Du könntest es aber mal mit ganz normaler Seife versuchen. So habe ich es z.B. bei meiner Dusche gemacht, und der Abperleffekt ist ziemlich stark (siehe Foto). Die Wände auf dem Foto sind aus MARFINO® CONCRETE SURFACE Microzement mit dreimaliger Verkieselung, und die rote Ablagefläche ist aus eingefärbtem MOBY DUR® grau mit einmaliger Verkieselung. Ich habe alle Flächen mehrmals nass gemacht, in nassem Zustand mit dem Seifenstück eingerieben und wieder trocknen lassen. Verwendet habe ich CD-Seife.

Sven

Also ich Pflege mein Beton im Innenbereich so, als wäre es eine Naturholzoberfläche . Dafür gibt es Bio Wachse aus Pflanzenextrakte mit Abperleffekt. Für Stein, Holz und Leder. Entfernt den Staub und frischt die Oberfläche auf. Aber egal wie man pflegt und schützt, es muss immer wiederholt werden.