Herd-Rückwand

Die Wand hinter Herdplatten wird “normalerweise” mit Materialien, wie Fliesen oder Glas belegt.

Bei der Überlegung, was Beton “so alles kann”, würde mich interessieren, welche Beton-Oberflächen es gibt, die auch mit Fett “umgehen” können?
Tischplatten, Waschbecken oder Bad-Wände sind ja bereits eine “schmutztechnische” Herausforderung und “Beton-Geschirr” muss damit ja auch umgehen können.
Gibt es für Herd-Rückwände bereits Versuche und Beispiele?

Hallo Manohara,

hier sollte man wirklich Versuche starten, da der Fliesenspiegel sowieso außer Mode kommt. In den meisten Wohnungen wird er schon gar nicht mehr als Standard eingebaut. Das liegt natürlich daran, weil immer mehr Hersteller ihre Rückwand der Küche, gleich mit anbieten. Und hier könnte man jetzt überlegen, wie man eine Küchenrückwand am besten gestaltet und gleichzeitig auch noch etwas findet, das mit Fett gut zurecht kommt. Es gibt zahlreiche Spachtelmassen mit denen man jede Optik nachahmen kann, das ist dann aber auch nichts echtes, und auch zu anfällig bei Schlageinwirkung. Auch Glas wird gerne als Küchenrückwand genommen. Standard ist aber immer noch eine dünne Holzplatte. Das sind die üblichen Sachen, die mir bekannt sind.

Das ist ein interessantes Thema, da werde ich mir mal ein paar Gedanken (Versuche) machen.

Grüße Dave

es steht hier in der Filosofie, weil das Thema nicht nur technische Aspekte hat.
Ein wichtiges Detail dabei ist: wie gehe ich mit “Schmutz” um?
Glas, Keramik und Kunststoff können so gereinigt werden, dass sie hinterher wie vorher aussehen.
Ich nehme an, das Beton eine Patina bekommt.

Hallo Manohara,

ja, Beton hat ein eigenes Gesicht, und mir gefallen am besten die Entwürfe, die das nutzen, anstatt es zu verstecken. Leider lässt sich Beton allzu leicht missbrauchen, um ein anderes Material zu imitieren.

Ich habe z.B. mal einen schwarz lackierten “gusseisernen” Laternenpfahl gesehen, der in Wirklichkeit aus Beton war. Dass da etwas nicht stimmte, sah man daran, dass an der Oberfläche die typischen Krakeleerisse des Betons durchschienen. Das sieht man sich an und denkt dann vielleicht: “Na ja, es ist nicht perfekt, ist halt nur Beton, aber war wohl so am billigsten zu machen.” Ich wünsche mir nur, für so etwas nicht mein Beton genommen wird.

Auf der anderen Seite gibt es gerade diesen Hype namens “Betonoptik”. Da müssen die Sachen aussehen wie Beton, obwohl es gar kein Beton ist. Für einen Schrank im Betonlook nimmt der Schreiner heute einfach eine Holzplatte mit Betonimitat drauf und schon hat er einen Betonschrank, obwohl jedem klar sein muss, dass auch hier etwas nicht stimmen kann.

Das fühlt sich für mich nicht ehrlich oder echt an, weil es im Widerspruch zu dem steht, was man als materialgerecht bezeichnet.

Wenn man bedenkt, wie viele attraktive Facetten echter Beton hat, fragt man sich, wozu man diese Fakes eigentlich noch braucht. Aber wahrscheinlich sind die Facetten einfach noch nicht jedem bekannt.

Ein Betontisch oder eine Herdrückwand aus Beton ohne Patina fühlt sich für mich übrigens auch nicht echt an.

Sven

Hallo zusammen,

Beim der Frage echt oder doch nur Optik, fallen mir viele Beispiele ein, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann.
Ein Beispiel: Meine Lebensgefährtin und ich haben vor kurzem ein neu eröffnetes Restaurant besucht. Sie weiß ja, dass ich ein echter Betonfan bin. Als sie auf der Toilette war und wiederkam meinte Sie: der ganze Toilettenbereich wäre ein pompöser mit Beton und Springbrunnen hergerichteter Bereich der klassischen Moderne. Also bin ich ganz gespannt dahin gelaufen, und habe mir das ganze aus der Nähe angesehen.

Was ich vorfand war nur Optik. Die Wände wurden mit Betonoptik verspachtelt, es gab zahlreiche Abplatzungen. Und auch der Rest, der sich hier noch abheben sollte, war nur Blende.

Als Laie siehst du das nicht und man wird mehr oder weniger in die Irre geführt. Man glaubt etwas Hochwertiges zu sehen aber das ist es nicht.

Ich hatte schon Kunden die mir ganz stolz Ihre neue Küche gezeigt hatten. Anstatt des Fliesenspiegels hatte man sich auch hier für eine Betonoptik Rückwand entschieden. Als ich sie darauf ansprach, ob es nicht schöner wäre eine echte Beton Rückwand zu haben, fragte sie mich wie ich das meine.

Letztendlich ist es doch immer die Unwissenheit der Leute und vielleicht auch das Geld, das sie davon abhält, etwas Echtes zu kaufen. Daher entscheiden sich dann doch nur für etwas, das nur so aussieht als wäre es echt.

Mal ehrlich, wer kauft heute noch eine Vollholzmöbelschrankwand und behält sie sein ganzes Leben lang.

Der Konsum, die Werbung und der ständige Drang nach Veränderung verleiten uns dazu, Sachen zu kaufen an denen wir keine Freude mehr haben, da sie schnell unansehnlich werden.

Dave

Entwürfe, die das nutzen, anstatt es zu verstecken

ja!
Das ist für mich einer der wichtigsten “Leitsätze” bei Materialwahl jeder Art.
Für manche Zwecke sind manche Materialien besonders gut geeignet, für andere weniger.
Beton entdecke ich gerade erst - als sehr vielseitiges Material.

In einem Museum habe ich Mal einen kleinen, scheinbar geflochtenen Korb gesehen. Der war aus Elfenbein geschnitzt und mehrere tausend Jahre alt. So lange scheint es bereits solche Maretial-Verwirrungen zu geben.

Seit dem bin ich nicht mehr so streng, wenn andere sowas machen, aber für mich, meinen Geschmack und meine Vorstellung davon, wie die Welt sein sollte ;), ist das nach wie vor ein “Gehtgarnicht”.

Der Konsum, die Werbung und der ständige Drang nach Veränderung

Ja, da wird sowas verstärkt, … wie weit diese Tendenz nur von Außen kommt, weiß ich nicht. Ich habe manchmal den Verdacht, dass es einfach “menschlich” ist, vieles “nicht so wichtig” zu nehmen. Viele Leute übersehen vieles, was eigentlich Grund zur Freude sein könnte.

Was ich besonders spannend finde ist, dass die Eigenschaften von Materialien ja auch eine “Material-Sprache” entstehen lassen, wie zum Beispiel bei Holz, das in einer Richtung stabil ist und in der Anderen leicht zerbrechlich und noch dazu je nach Luftfeuchtigkeit schrumpft und quillt.
Dadurch sind die technischen Holzverbindungen entstanden, die nur für Holz sinnvoll sind, sehr speziell in ihrer notwendigen Durchdachtheit und damit sehr deutlich machen, was und wie Holz “ist”.