ich plane grade einen Küchenfußboden aus Fließ-Estrich und habe das Gefühl, ich sollte mir vorher etwas guten Rat bei euch einholen. Das Projekt liegt mir am Herzen und ich habe wahrscheinlich nur eine Chance es richtig zu machen, also freue ich mich über eure Tipps.
Wie man am Foto sieht, handelt es sich um ca. 15m² Fussboden, der nahtlos mit einem Vertikalen Tritt abschließt. Ich möchte optisch einen monolithischen Effekt dieses “Plateaus” erreichen, deshalb habe ich mir gedacht ich übergieße die gesamte Fläche - wie eine Torte - mit Estrich und lasse schöne Fließmuster entstehen, die auch die Stufe herabfließen. Ihr ahnt vielleicht, dass das nicht ganz so einfach funktioniert wie Zuckerglasur auf einem Kuchen
Meine Ansprüche an die Beschaffenheit der Obenfläche sind nicht riesig. Wenige Luftblasen sind natürlich gut, aber ich muss hier keine Perfektion erreichen. Die Fernwirkung als Monolith ist mir wichtiger, als eine perfekte Glätte. Abschließen möchte ich den Boden mit Osmo-Betonöl.
Mein Plan, den ich zur Diskussion stelle, lautet wie folgt:
-Haftgrund auftragen
-Bewehrungsmatte aus Kunststoff über die Falz der Stufe kleben, um die Fließgeschwindigkeit hier zu minimieren
-Intoplan Fließestrich 2000 mit FLUP Kombi 4 anmischen
-3-5mm Fließestrich ausbringen
-Hoffen, hoffen, hoffen
Mein Verdacht ist, dass sich an der Kante der Stufe, wo eine Zugbelastung auf den flüssigen Estrich wirkt, Risse oder eine Art Orangenhaut bilden wird. Sollte ich es hier vielleicht mit einem Filzläufer als Estrichträger versuchen? Was meint ihr? Wo sind meine größten Fallstricke?
Ich würde mich freuen, wenn der Eine oder die Andere einen Tipp oder Denkanstoß für mich hat!
schönen Gruß,
Konni
für mich sieht es auf dem Bild schon wie ein Monolith aus. Warum lässt Du es nicht einfach so? Deine Idee mit Fließestrich ist nicht gut, weil man den nicht so dünn verarbeiten kann. Auch ist es nicht ratsam, eine Fertigmischung noch mit zusätzlichem Fließmittel zu manipulieren. Wenn Du eine nur 5 mm dicke Betonschicht auftragen willst, dann kannst Du dafür BASIL® Bodenbeton hellgrau (hier das Anwendungsdatenblatt) oder Plan B Industrieboden (hier das Anwendungsdatenblatt) verwenden. Sofern Dein Untergrund, wie es auf dem Foto aussieht, schon aus Beton besteht, brauchst Du als Vorbereitung nur einen Anstrich mit SQ-TIEFGRUND lösemittelfrei. An der Frontseite brauchst Du eine Schalung.
Hallo Konni,
nur fürs Verständnis .. Du sprichst über die Betonfläche hinten im Bild? Ich kann dir da nicht folgen:
Wie soll sich die finale Optik von der jetzigen unterscheiden?
Wo/wie sollen da “Fließmuster entstehen, die auch die Stufe herabfließen.”?
Dann noch das Osmo-Betonöl, super Produkt, aber für Fußböden muss man mögen was dann im Laufe der Zeit passiert. Das ist bedingt schichtbildend, vor allem die enthaltenen Wachse (Parafine sowie Carnauba- und Candelillawachs) lagern sich teilweise oberflächlich ab und werden dann nutzungsbedingt inhomogen abgetragen. Schmutz und Flüssigkeiten hinterlassen dann schnell eine entsprechende Patina, diese Optik inkl. Laufspuren muss man aber wollen und mögen. Da das Zeuchs inkl. der enthaltenen Öle aber auch in die Poren eindringt, bekommt man das kaum wieder eleminiert für eine eventuelle weitere Behandlung mit alternativen Produkten wie z.B. CAPOSIL, die Entscheidung will also wohlüberlegt sein.
Die “eine Chance es richtig zu machen” ist ein valider Punkt, sowohl was die Handhabung und Optik des Betons als auch die anschließende Oberflächenbehandlung angeht. Als Einsteiger würde ich unbedingt Probeflächen anlegen, dafür kannst Du z.B. 3€-Gehwegplatten aus dem Baumarkt in einer simplen Holzform “übergießen”, um Dich mit der Handhabung der Produkte und der entstehenden Optik vertraut zu machen. Das kann täuschen und vielleicht hab ich Dich auch einfach nur falsch verstanden, aber es wirkt ein bissi so, als würdest Du da gedanklich grad noch etwas irrlichtern?
vielen Dank für euer konstruktives Feedback und die Produktempfehlungen. Ich halte den Fließestrich - so wie ich ihn beschrieben hatte - nun auch für eine eher unrealistische Idee!
Zu euren Fragen:
-der Boden aktuell ist der Aufbau einer Fussbodenheizung und für meinen Geschmak noch etwas zu grob als Oberfläche. Ich habe ihn so glatt es ging verspachtelt, aber bei 8mm Körnung ging da nicht allzuviel. Anschließend habe ich auch meine Meinung entwickelt, dass ich eine gussartige Oberfläche anstrebe - keine gespachtelte.
Rein metaphorisch gesprochen soll der Küchenteil des Raumes (der Betonteil), wie ein nasser Stein aus dem Parkett herauswachsen. Deshalb fand ich die Idee alles wie eine Torte zu übergießen verlockend. Ich bin aber einsichtig, nach dem was Sven sagt, dass ich die Stufe schalen muss. Die Kante werde ich dann nach dem Abschalen rundschleifen. Dadurch werden zwar die Fließmuster und das “monolithische” etwas leiden, aber es ist halt doch Beton und kein Zuckerguss…
Ich rede so bildhaft von Fließmustern und Monolithen, weil sich die Verarbeitung eines Betons (geschalt, geflossen, gespachtelt, geschliffen etc.) für mich stark in der Optik und dem Raumgefühl niederschlägt. Nach euren Tipps und Einwänden denke ich jetzt folgendermaßen: Ich werde ich die Stufe schalen, die Fläche gießen und die Kante schleifen, das ist nicht mehr so ganz optimal was das “monolithische” angeht, aber wahrscheinlich genau die Schnittstelle zwischen meiner Fantasie und der Realität.
1000 Dank euch, ich denke jetzt könnte es klappen und ich hoffe eure Fragen sind einigermaßen beantwortet.
schönen Gruß,
Konni
Hallo Konni,
Schleifen legt immer die Körnung frei, das könnte schnell ins Gegenteil kippen von dem was Du anstrebst .. wenn Du Dich beim Material entschieden hast auch das unbedingt testen bevor Du da auf der finalen Fläche ranstürmst.
Was Du nochmal überlegen kannst ist die Kante doch zu übergießen und die Schalung erst dahinter aufzubauen:
Richtig dimensioniert kannst Du dann durchaus eine Rundung mittels einer dünnen Plastikplatte/-folie herstellen, das würde ich aber gegenüber dem Parkett mit einem Randdämmstreifen abtrennen.
Zu Deinen “Fließmustern”: Die Hochleistungsprodukte, die Dir eine so dünne Schicht ermöglichen, sind häufig angemischt sehr homogen und zeigen dann vergleichsweise wenig “Checkigkeit” und Spuren in der abgetrockneten Oberfläche. Denkbar ist, mittels Pigmenten leicht varierende Teilmengen für den Guss anzumischen und diese nur grob zu vermischen vorm Guß. Ohne das ein paarmal gemacht zu haben sind die Ergebnisse aber komplett unvorhersehbar, würde ich also im Blindflug auch nicht auf der finalen Fläche machen.