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Schaumbeton als Fußboden: Schaumbeton-Wand-Interface

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    Schaumbeton als Fußboden: Schaumbeton-Wand-Interface

    Hallo!

    In wenigen Wochen habe ich nach Verlegung von Rohren an meinem ersten Einsatzort für Schaumbeton den Moment erreicht, wo ich erste Erfahrungen mit diesem Material sammeln werde. An dieser Stelle außerhalb des Wohnbereichs (gut durchlüfteter Scheunenteil des Hauses) kommt es noch nicht so "drauf an" und ich kann mir noch Fehler erlauben und sozusagen die paar Quadratmeter als Trainingsbereich definieren. Um mögliche Fehler aber schon vorab zu vermeiden, hoffe ich hier vielleicht noch ein paar Tips zu bekommen. Folgende Fragestellungen:

    Background: Bei unserem Umgebindehaus (Lausitz/Böhmen) aus dem 18. Jahrhundert gibt es keinen Keller und erst recht keine Fundamentplatte, sondern, nimmt man die verhältnismäßig dünne Schichtung aus Schüttung und Beton, die im letzten Jahrhundert eingebracht wurden, heraus, landet man auf Lehmboden. Gut verdichtet, und "erdfeucht". Insofern die erste relevante Feststellung: Sven hat beschrieben (wo, weiß ich gerade nicht mehr), dass bei Schaumbeton kaum Kapillarwirkung auftritt.

    Planung: Insofern plane ich keine Kunststoffe als Feuchtigkeitssperre. Im Wohnbereich plane ich zur besseren Wärmedämmung und Feuchtigkeitssperre Schaumglasschotter als unterste Ebene. Das Material erlaubt erst recht kein Aufkriechen von Feuchtigkeit durch Kapillarwirkung. Im unbeheizten Scheunenbereich, in dem auch keine Fußbodenbeläge aufgebracht werden, würde ich auf diese Schicht verzichten und statt dessen sofort Schaumbeton auf der verdichteten Lehmbasis aufbringen. Geplant sind ungefähr 10...15cm Schaumbeton. Und da in diesem Bereich die Oberfläche nicht belastet bzw. nennenswert beansprucht wird, würde ich keine weitere Schicht auftragen.

    Frage: Ist diese Herangehensweise aus Eurer Sicht ok?

    Der Schaumbeton würde hier einseitig an eine Wand anschließen, die tief im Lehmboden gegründet ist. In dieser Wand ist in einer bestimmten Höhe eine Feuchtigkeitssperre nachgerüstet, die der anliegende Schaumbeton quasi "brücken" würde. Um auch eine geringe Kapillarwirkung auszuschließen, die diese Sperre quasi außen an der Wand kurz schließen würde, habe ich von Sven Poralit geordert. Diese Mischung ist mit Hydrophobiermittel versetzt als Betonmischung für Schaumbeton vorgesehen. Das Material ist natürlich erheblich teurer, als Portlandzement CEM I für "gewöhnlichen" Schaumbeton. Aus dem Grund würde ich mittels Schalung dieses Material in einem ersten Arbeitsgang nur für die ersten 5...10 cm Abstand zur Wand vorsehen und den Rest des Fußbodens danach mit purem Portlandzement "ausschäumen".

    Frage 1: Ist es sinnvoller oder sogar wichtig, zwischen Wand und Beton eine flexible Zone mit Schaumstoff einzusetzen, wie das bei Estrichfußböden in der Regel als Schaumstoffstreifen an der Wand entlang praktiziert wird? Ich würde das vermeiden wollen, weil diese Verfahrensweise in weiteren Ausbauphasen im Wohnbereich des Gebäudes eine breite Spalte erzeugen könnte, die später von Ameisen "freigeschnitten" und besiedelt wird. Bei solchen Häusern mit Fugen bis zum unmittelbarem Bodenkontakt ist so eine Ameisensiedlung nicht selten. Unser altes Gemäuer bietet im Moment im Wohnbereich solche Fugen, die selbstverständlich besiedelt sind. Die Plage hält sich in Grenzen. Wenn ich jedoch zukünftig umlaufend an allen Wänden eine entsprechende Schaumstofflage appliziere, dürften die Ameisen darin einen gut wärmegedämmten Bauraum sehen und sich entsprechende Wohnbereiche einrichten. ––> Im Idealfall würde ich eine direkte kristalline Verbindung zwischen Schaumbeton und Wand als Schutz gegen die Ameisen anstreben. Also: a) kein Material zwischen Wand und Schaumbeton und b) vielleicht sogar noch eine Grundierung auf dem Gestein der Wand aufbringen, damit sich der Zement mit der Wand auch tatsächlich verbindet. Die Wand besteht, je nach Höhe über dem Lehmboden, aus Feldstein / Sandstein und danach Ziegel.

    Frage 2: Nun habe ich gelesen, dass Schaumbeton beim Abbinden stark schwindet. Die Wand bleibt natürlich dabei dort wo sie ist. Ist ein fugenloser Anschluß an die Wand überhaupt möglich? Kann man so eine nahezu fugenfreihe Verbindung dadurch erreichen, indem vor dem Verguß "Anker" in die Wand eingebracht werden (z.B. Schrauben in Dübel), die sich im Schaumbeton festkrallen und ihn an der Wand halten auch dann, wenn keine oder eine unzureichende kristalline Verbinung zwischen Schaumbeton und Wand besteht? Oder ist vielleicht eine vorherige Grundierung der Wandsteine hilfreich oder sogar zwingend notwendig? (Was verwendet man da?) – Kann man das ganz allgemein Schwinden und Schwindrisse reduzieren (Glasfaser-Bewehrung)? Sind Schwindrisse überhaupt zu erwarten?

    –––––

    Das war jetzt 'ne ganze Menge Text. Ich möchte damit aber verhindern, dass wir erst in längeren Kommunikationen die eigentlichen Details für eine gescheite Beurteilung durch Euch herausarbeiten müssen. Ich würde mich riesig freuen, wenn jemand schon Erfahrungen gesammelt hat oder vielleicht beruflich aus dem Bau kommt und Hilfreiches beitragen kann. Ich denke, dass die Fragestellungen auch für zukünftige Projekte von Schaumbetonenthusiasten interessant sein könnten.

    Viele Grüße
    Frank

    #2
    Hallo Frank,

    Schaumbeton schwindet stärker als normaler Beton, besonders dann, wenn er ohne Gesteinskörnung ist. In Deinem Fall musst Du mit der Bildung eines ausgeprägten Rissbildes an der Oberfläche rechnen, was ja ansonsten erstmal nicht weiter schlimm ist. Am Wandanschluss wird sich durch die Schwindung wahrscheinlich ein Spalt bilden, auch wenn Du den Randdämmstreifen weglässt. Du kannst Schaumbeton nicht mit Dübeln verankern oder im Verbund mit dem Untergrund einbauen. Das hält nicht. Glasfasern können die Schwindung nicht verhindern.

    Sven

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      #3
      Hi Frank,
      Schaumglasschotter ist für die Wärmedämmung und vor allem als kapillarbrechende Schicht echt eine gute Wahl! Wir haben uns vor fast 15 Jahren bei ähnlicher Situation auch dazu entschlossen, es so zu machen. Seit dem ist der Boden trocken.

      Ein Spalt zwischen Schaumbeton und Wand wird entstehen. Die Frage ist, wie groß er wird. Oft wird er nämlich nur gerade so groß, dass er für eine Schließung mit Mörtel schon fast zu klein ist. Ich würde überlegen, wie ich das so steuern könnte, dass ich eine erträgliche und vor allem gut schließbare Lücke bekomme, die ich hinterher mit Vergussmörtel, Bitumen o.ä. schließen kann.
      Gruß
      Joe

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        #4
        Hallo Sven und Joe!

        Auch wenn ich erst jetzt reagiere, nicht jede Woche ist Betonzeit: Vielen herzlichen Dank für Eure Antworten, die für mich wesentlich sind!

        Sven: Verankerung: Danke Dir für den Hinweis. Habe gerade die älteren Tests vom Gray-Elemente-Shop im Video angesehen: Der geschäumte Portlandzement, hat seine Grenzen. Ich denke: Wenn man ihn da hingießt, wo er liegen bleiben soll und ausschließlich (und nicht punktuell) auf Druck belastet, dann passt das. Also für gegossene Fußböden und auch nur, wenn die Unterlage ausreichend verdichtet ist, also nicht partiell nach gibt.

        Und es macht offenbar wenig Sinn, eine Schicht deutlich unter 15cm vorzusehen.

        Sven: Glasfasern) Danke Sven für den Hinweis! Dann brauche ich es erst gar nicht versuchen.

        Und ich gehe nun auch davon aus, dass eine Bewehrung aus Basalt- oder Glasfaser-Gewebe kaum Sinn ergibt, denn das macht nur Sinn, wenn die Zugbelastung bei Biegebeanspruchung, abgefangen auf der "Zugseite" durch die Fasern, durch eine ausreichende Druckfestigkeit des Materials kompensiert wird. Also: Nur auf Druck belasten und bei Bedarf eine Deckschicht aus druckfestem Beton plus Bewehrung aufbringen.

        Joe: Ok. Danke für Deine Einschätzung! Ich teste das dieses Jahr erstmal in meinem "Probenbereich" und werde sehen, welche Fugenbreiten sich ergeben. Vielleicht werden ich dann später im Wohnbereich die Fuge bis wenige Zentimeter unter der Bodenoberfläche durch eine hinterher entnehmbare Beilage provozieren. Dann ist der Spalt so groß, dass er sich vielleicht wirklich effektiv mit Bitumen auch Ameisensicher verschließen lässt. Ein guter Hinweis von Dir, extra eine verfüllbare Fugenbreite zu steuern! Danke!

        Viele Grüße
        Frank

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